Infrarotheizung oder Wärmepumpe: Was sich für wen lohnt

Wohnzimmer mit Infrarot-Paneel an der Wand, im Garten hinter dem Fenster die Außeneinheit einer Wärmepumpe

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Ein Infrarot-Paneel kostet ab etwa 300 Euro, eine Luftwärmepumpe rund 22.500 Euro. Zwischen Infrarotheizung und Wärmepumpe liegt in der Anschaffung fast das Siebzigfache. Im Betrieb kehrt sich das Verhältnis oft um: Eine Wärmepumpe gewinnt aus einer Kilowattstunde Strom mehrere Kilowattstunden Wärme, eine Infrarotheizung nur eine. Die pauschale Aussage „Infrarot ist immer günstiger” stimmt deshalb nur für einen Teil der Fälle, bei geringem Heizbedarf und als Übergangslösung. Welches System sich lohnt, entscheiden vier Fragen: Anschaffung, Betrieb, Gebäude und Förderung.

Der Unterschied in einem Satz

Eine Infrarotheizung wandelt Strom direkt in Strahlungswärme um. Eine Wärmepumpe entzieht der Umgebung, also Luft, Erde oder Grundwasser, Wärme und verstärkt sie mit Strom. Der Unterschied liegt in der Umwandlungsrate. Aus 1 Kilowattstunde Strom entsteht bei der Infrarotheizung 1 Kilowattstunde Wärme, technisch bedingt und ohne Umweg. Die Wärmepumpe schafft aus derselben Strommenge ein Mehrfaches an Wärme, weil sie zusätzlich Umgebungsenergie nutzt.

Technisch steckt dahinter ein Kältekreislauf. Ein Kältemittel nimmt draußen Wärme auf, ein Kompressor verdichtet sie mit Strom auf ein höheres Temperaturniveau, und die entstehende Wärme geht ins Heizsystem. Eine Infrarotheizung braucht diesen Umweg nicht, sie erhitzt einfach ein Heizelement. Für die Anschaffung zählt nur der Gerätepreis, doch sobald die Heizung läuft, entscheidet genau dieser Wirkungsgradunterschied über die Stromrechnung.

Anschaffungskosten im Vergleich

Bei der Erstinvestition liegt die Infrarotheizung klar vorn. Laut der Verbraucherzentrale Energieberatung sind Infrarotheizgeräte ab etwa 300 Euro im Handel erhältlich. Ein Paneel für ein einzelnes Zimmer reicht meist zwischen 400 und 800 Euro. Die Montage an der Wand übernimmt ein Handwerker in ein bis zwei Stunden, oft geht es auch in Eigenregie.

Eine Wärmepumpe kostet deutlich mehr. Nach Angaben von co2online liegt eine Luftwärmepumpe inklusive Speicher, Wärmemengenzähler und Pumpe bei etwa 22.500 Euro, eine Erdwärmepumpe mit Bohrung bei rund 28.500 Euro. Dazu kommen Planung, Genehmigungen und, je nach Bestandsheizung, der Rückbau der alten Anlage. Oft kommt ein Schallschutzgutachten für die Außeneinheit hinzu, wenn die Nachbarschaft dicht bebaut ist.

Wer nur ein Zimmer beheizen will oder kurzfristig eine Lösung braucht, kommt mit Infrarot ohne Umbau schneller und günstiger ans Ziel. Wer ein ganzes Haus neu oder saniert beheizen will, rechnet die Wärmepumpe gegen ihre niedrigeren Betriebskosten über die Nutzungsdauer. Bei mehreren leistungsstarken Infrarot-Paneelen kann zusätzlich ein separater Stromkreis nötig werden, wenn die vorhandene Elektroinstallation die Last nicht mehr trägt.

Betriebskosten: Warum die Jahresarbeitszahl entscheidet

Die Jahresarbeitszahl (JAZ) misst, wie viele Kilowattstunden Wärme eine Wärmepumpe im Jahresschnitt aus einer Kilowattstunde Strom macht. Laut co2online erzeugt die Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom drei Kilowattstunden Wärme, sobald sie eine JAZ von 3 erreicht. Ideal gelten Werte zwischen 4 und 5. Eine Infrarotheizung bleibt technisch bei einer JAZ von 1.

Der Unterschied wirkt sich direkt auf die Stromrechnung aus. Bei einem Strompreis von durchschnittlich 37,0 Cent pro Kilowattstunde (BDEW-Strompreisanalyse) und 3.000 Kilowattstunden Wärmebedarf im Jahr verbraucht die Infrarotheizung dafür 3.000 Kilowattstunden Strom. Eine Wärmepumpe mit JAZ 4 kommt mit 750 Kilowattstunden aus.

KriteriumInfrarotheizungWärmepumpe
Anschaffung (Einzelraum bzw. Gesamtanlage)ab ca. 300 €ab ca. 22.500 €
Wärme je kWh Strom1 kWh3 bis 5 kWh (JAZ)
Förderfähig (KfW 458)neinja
Eignung Altbau ohne Sanierungja, raumweiseeingeschränkt

Der Kostenvorteil der Wärmepumpe wächst mit dem Heizbedarf. Bei einem ganzen Einfamilienhaus türmt sich der Unterschied schnell zu mehreren Hundert Euro im Jahr auf. Bei kleinem Bedarf kehrt sich das Bild: Ein einzelnes Gästezimmer mit etwa 400 Kilowattstunden Wärmebedarf im Jahr kostet mit einem Infrarot-Paneel rund 148 Euro Strom im Jahr.

Eine eigene Wärmepumpe würde dafür niemand anschaffen. Die Ersparnis von rund 111 Euro im Jahr steht in keinem Verhältnis zu den zusätzlichen Investitionskosten. Bei einem einzelnen, selten genutzten Raum gleicht die viel niedrigere Anschaffung der Infrarotheizung den höheren Stromverbrauch meist aus. Wer die eigene Rechnung statt einer Pauschalaussage will, prüft den Bedarf mit dem Stromkosten-Rechner und vertieft die Zahlen im Ratgeber zu Infrarotheizung-Kosten und Stromverbrauch.

Für welches Gebäude eignet sich was?

Eine Wärmepumpe braucht niedrige Vorlauftemperaturen, um ihre Effizienz zu erreichen. Nach Angaben der Verbraucherzentrale ist ein Gebäude geeignet für eine Wärmepumpe, wenn die Vorlauftemperatur der Heizung möglichst ganzjährig unter 55 Grad Celsius bleibt. Dafür braucht es in der Regel eine der folgenden Voraussetzungen:

  • eine Fußboden- oder Wandflächenheizung mit großer Heizfläche
  • ausreichend große Heizkörper, notfalls nachgerüstet
  • eine gedämmte Gebäudehülle, die den Wärmebedarf insgesamt senkt

Große, niedrig montierte Wandflächenheizung in einem sanierten Altbau-Wohnzimmer Große Heizflächen wie eine Wandflächenheizung senken die nötige Vorlauftemperatur und machen einen Altbau wärmepumpentauglich.

Fehlen diese Voraussetzungen, muss die Wärmepumpe mit höheren Vorlauftemperaturen arbeiten. Sie verliert dabei einen Großteil ihres Effizienzvorteils. Im ungünstigsten Fall sinkt die Jahresarbeitszahl so weit, dass sich der Betrieb kaum noch von einer Stromdirektheizung unterscheidet. Eine Infrarotheizung kommt ohne diese Vorgaben aus: Sie braucht keine bestimmte Vorlauftemperatur, keine Heizflächenplanung und funktioniert unabhängig vom Dämmstandard des restlichen Hauses raumweise. Details zum Einsatz im unsanierten Bestand stehen im Ratgeber zur Infrarotheizung im Altbau.

Förderung: Wärmepumpe ja, Infrarotheizung nein

Wärmepumpen laufen über die Bundesförderung für effiziente Gebäude, die die KfW im Programm 458 auszahlt. Reine Stromdirektheizungen wie Infrarotpaneele sind von dieser Förderung ausgeschlossen, weil sie keine erneuerbare Umgebungsenergie nutzen. Eine Ausnahme gibt es beim Austausch einer funktionstüchtigen Nachtspeicherheizung. Dort greift unabhängig vom neuen System der Klimageschwindigkeitsbonus.

Laut KfW beträgt der Klimageschwindigkeitsbonus 16 % der förderfähigen Gesamtkosten, zusätzlich zur Grundförderung von 30 %. Voraussetzung ist laut co2online außerdem eine Jahresarbeitszahl von mindestens 3 für alle geförderten Wärmepumpen, genau der Wert, den ein ungedämmtes Gebäude mit kleinen Heizkörpern ohne die im vorigen Abschnitt genannten Voraussetzungen oft verfehlt. Der Bonus sinkt erstmals zum 01.02.2027 und danach halbjährlich. Er gilt aber nur für ein neues, förderfähiges Heizsystem und damit nicht für eine reine Infrarot-Nachrüstung. Wer eine Wärmepumpe plant, rechnet den Förderanteil vorab über die „Meine KfW”-Antragsstrecke. Details zu den indirekten Förderwegen für Infrarot, etwa über Photovoltaik oder Dämmmaßnahmen, stehen im Ratgeber zur Infrarotheizung-Förderung.

Lässt sich beides kombinieren?

Ja, und das ist in der Praxis häufiger als eine reine Entweder-oder-Entscheidung. Eine Wärmepumpe übernimmt dabei die Grundlast im ganzen Haus. Einzelne Infrarot-Paneele springen dort ein, wo kurze, seltene Nutzungsspitzen anfallen, etwa im Gästezimmer, im Bad am Morgen oder im Homeoffice an kalten Wintertagen.

Der Vorteil liegt darin, dass die Wärmepumpe nicht wegen eines einzelnen Raums für Stunden am Stück hochlaufen muss. Sie bleibt konstant im effizienten Bereich, während das Paneel den kurzen Bedarf direkt und ohne Vorlaufzeit deckt. Für die Kombination reicht in der Regel ein einzelnes, thermostatgesteuertes Paneel je Raum, eine übergreifende Steuerung beider Systeme ist meist nicht nötig.

Typisch ist das Homeoffice, das nur werktags tagsüber warm sein muss, oder das Gästezimmer, das die meiste Zeit im Jahr leer steht und trotzdem sofort heizbar sein soll. Wer diesen Weg geht, sollte den Mehrverbrauch des Paneels trotzdem im Blick behalten, gerade bei täglicher Nutzung. Aus einem gelegentlichen Komfort-Extra wird sonst schnell ein zweiter, dauerhaft laufender Heizkreis.

Für wen sich was lohnt

Zwei Leitfragen fassen die Abwägung zusammen:

  • Eine Infrarotheizung lohnt sich, wenn der Heizbedarf klein bleibt: ein einzelnes Zimmer, eine Übergangslösung bis zur Sanierung, ein selten genutzter Raum neben einer bestehenden Zentralheizung. Sie punktet mit niedriger Anschaffung, schneller Montage und Unabhängigkeit vom Gebäudezustand.
  • Eine Wärmepumpe lohnt sich, sobald ein ganzes Haus oder eine Wohnung dauerhaft beheizt werden soll und das Gebäude die technischen Voraussetzungen erfüllt oder dafür saniert wird. Hier gleicht die niedrigere Betriebskostenrechnung die höhere Investition über die Jahre aus, und nur hier greift die staatliche Förderung.

Für alles dazwischen, den teilsanierten Altbau mit einzelnen Problemräumen etwa, ist die Kombination beider Systeme oft die pragmatischste Antwort. Wer sich unsicher ist, prüft drei eigene Zahlen statt einer Werbeaussage: den Heizbedarf des Raums oder Hauses, den Zustand der Gebäudehülle und die Frage, ob ohnehin eine Sanierung ansteht. Wärmepumpe für die Fläche, Infrarot für die Ausnahme.

Häufige Fragen

Ist eine Infrarotheizung günstiger als eine Wärmepumpe?
Beim Kaufpreis ja, hier liegen beide Systeme um ein Vielfaches auseinander. Beim laufenden Stromverbrauch dreht sich das Bild oft, sobald ein ganzes Haus dauerhaft beheizt wird, weil die Wärmepumpe pro Kilowattstunde ein Mehrfaches an Wärme liefert. Für einen einzelnen Raum oder eine kurze Nutzung bleibt die niedrigere Investition meist der entscheidende Faktor.
Bekommt eine Infrarotheizung dieselbe Förderung wie eine Wärmepumpe?
Nein, die staatliche Heizungsförderung schließt reine Stromdirektheizungen aus, weil sie keine Umgebungsenergie nutzen. Eine Ausnahme betrifft nur den Ersatz einer funktionstüchtigen Nachtspeicherheizung: Hier greift ein Bonus unabhängig davon, welches neue System eingebaut wird.
Eignet sich eine Wärmepumpe für einen unsanierten Altbau?
Nur bedingt, weil kleine Heizkörper oft die dafür nötige niedrige Vorlauftemperatur nicht erreichen. Ohne größere Heizflächen oder eine Dämmung sinkt die Effizienz spürbar, und der Betrieb wird teuer. Für einzelne Problemräume ist eine Infrarot-Zusatzheizung dann häufig der einfachere erste Schritt.
Kann man beide Systeme im selben Haus kombinieren?
Ja, das ist in der Praxis ein gängiges Modell. Ein zentrales System übernimmt die durchgehende Beheizung, während einzelne Paneele nur dort einspringen, wo kurzfristig und selten Wärme gebraucht wird. So bleibt die Grundanlage im effizienten Bereich, statt wegen einzelner Räume ständig hochzufahren.
Quellen