Ein Infrarot-Dörrautomat trocknet Obst, Gemüse und Kräuter mit warmer Umluft und zusätzlicher Wärmestrahlung. Für die meisten Haushalte reicht trotzdem ein normaler Dörrautomat mit gutem Thermostat, denn einen unabhängigen Test von Infrarot-Geräten gibt es bisher nicht. Unten stehen die Temperaturen je Dörrgut, die Antwort auf die Frage nach der Schädlichkeit und die Ergebnisse des Dörrautomaten-Tests, auf den sich die Stiftung Warentest beruft.
Wie funktioniert das Dörren?
Beim Dörren wird Lebensmitteln Wasser entzogen. Frisches Obst besteht zu 80 bis 90 Prozent aus Wasser, nach dem Dörren sind es noch etwa 10 bis 20 Prozent. So beschreibt es die Stiftung Warentest. Bei dieser Restfeuchte finden Keime kaum noch Bedingungen, um sich zu vermehren.
Genauer wird das VerbraucherFenster Hessen. Unter 35 Prozent Wasser fehlt Mikroorganismen die Wachstumsgrundlage. Schimmelpilze kommen mit weniger aus. Wer lange lagern will, trocknet deshalb auf einen Wassergehalt unter 15 Prozent herunter.
Der Prozess braucht zwei Dinge.
- Wärme, die das Wasser im Dörrgut verdunsten lässt,
- Luftaustausch, der die feuchte Luft abtransportiert.
Ein klassischer Dörrautomat verteilt deshalb mit einem Ventilator 35 bis 70 Grad warme Luft über gestapelte Gitter oder gelochte Kunststoffeinsätze. Das Bundeszentrum für Ernährung vergleicht ihn mit einem kleinen Umluft-Backofen, der deutlich energieeffizienter arbeitet als der große in der Küche.
Dörren mit Infrarot
Ein Infrarot-Dörrgerät ergänzt die Umluft um IR-Strahler. Die Infrarotstrahlung trifft auf das Dörrgut und wird erst dort zu Wärme. Die Luft dazwischen muss dafür nicht heiß sein. Das ist dasselbe Prinzip, nach dem Apfelringe seit Jahrhunderten in der Sonne trocknen, nur mit Thermostat und unabhängig vom Wetter.
Dörrautomat im Schubladensystem: Obst, Gemüse und Kräuter liegen auf getrennten Ebenen, die Tomaten mit der Schnittfläche nach oben.
Hersteller von IR-Geräten werben vor allem mit zwei Vorteilen.
- Gleichmäßigkeit: Die Strahlung erwärmt die Oberfläche jedes Stücks direkt. Das Umsortieren der Etagen soll dadurch seltener nötig sein.
- Kürzere Trocknung: Weil die Wärme ohne Umweg über die Luft ankommt, soll das Dörrgut schneller fertig sein.
Für Haushaltsgeräte hat beides bisher niemand unabhängig nachgemessen. Die Angaben stammen von den Anbietern.
Infrarot-Dörrautomat oder normaler Dörrautomat?
Der Unterschied liegt in der Wärmequelle, nicht im Ergebnis. Beide trocknen dasselbe Dörrgut bei denselben Temperaturen. Was zählt, sind bei beiden Thermostat, Timer und Fläche.
| Merkmal | Normaler Dörrautomat | Infrarot-Dörrautomat |
|---|---|---|
| Wärme | Umluft, 35 bis 70 °C | Umluft plus Wärmestrahlung |
| Unabhängiger Test | dTest 2021, die meisten Geräte „gut” | keiner bekannt |
| Preis | Testgeräte ab rund 45 bis 115 € (Stand 08/2025) | selten im Handel, kein Testvergleich |
| Etagen wenden | größere Stücke gelegentlich wenden | laut Anbietern seltener nötig |
Unsere Einschätzung: Ein normaler Dörrautomat ist die sichere Wahl, weil es für ihn Testergebnisse gibt. Ein Infrarot-Gerät kommt in Frage, wenn es dieselbe Grundausstattung mitbringt und der Aufpreis gering ist. Für die Strahler allein lohnt sich ein deutlich höherer Preis nicht, solange ihr Vorteil unbelegt ist.
Ist Dörren mit Infrarot schädlich?
Nein. Infrarot ist Wärmestrahlung. Laut Bundesamt für Strahlenschutz macht sie rund die Hälfte der Sonnenstrahlung aus, die den Erdboden erreicht. Jedes Dörrobst, das je in der Sonne getrocknet ist, hat also Infrarot abbekommen. Im Gerät erwärmen die Strahler das Dörrgut, wie es ein Heizstab über die Luft auch tut.
Für das Ergebnis entscheiden zwei andere Dinge.
- Temperatur: Je heißer gedörrt wird, desto schneller geht es. Wertvolle Inhaltsstoffe wie Vitamine erhalten sich aber bei niedrigeren Temperaturen besser. Das gilt mit und ohne Infrarot.
- Hygiene: Beim Dörren wird es nicht so heiß wie beim Einkochen. Obst, Gitter, Messer, Bretter und Hände müssen deshalb vorher gründlich sauber sein.
Welche Temperatur für welches Dörrgut?
Die Stiftung Warentest nennt diese Richtwerte für Backofen und Dörrautomat. Sie gelten für Geräte mit und ohne Infrarot.
| Dörrgut | Temperatur | Dauer laut Quelle |
|---|---|---|
| Kräuter | 30 bis 40 °C | 4 bis 8 Stunden bei 35 °C |
| Pilze | 45 °C | 5 bis 10 Stunden |
| Gemüse (Tomaten, Zucchini, Paprika) | 50 bis 60 °C | je nach Größe und Wassergehalt |
| Obst (Äpfel, Birnen, Pflaumen) | 60 bis 70 °C | Äpfel rund 4 Stunden, Weintrauben über 20 Stunden |
Insgesamt dauert ein Durchgang sechs bis 24 Stunden. Die Werte für Äpfel und Weintrauben stammen aus dem Test der tschechischen Verbraucherorganisation dTest. Dort brauchte das langsamste Gerät für Trauben 35 Stunden.
Schneiden Sie das Dörrgut in gleichmäßige Scheiben von 5 bis 10 Millimetern, dann trocknet alles im selben Tempo. Fertig ist es, wenn es sich ledrig anfühlt, aber noch leicht biegsam ist, und auf festen Druck kein Saft mehr austritt. Gemüsechips werden dagegen spröde und knusprig.
Vor dem Abfüllen hilft eine Gegenprobe. Geben Sie eine kleine Menge abgekühlt in einen Plastikbeutel. Beschlägt der Beutel, muss das Dörrgut noch einmal ins Gerät.
Welche Vorteile hat das Dörren gegenüber anderen Methoden?
Dörren braucht weniger Energie als der Backofen und ist zuverlässiger als die Leine im Freien.
- Lufttrocknen kostet keinen Strom. Es braucht aber einen Ort mit mindestens 30 Grad, dauert je nach Wassergehalt Wochen und hängt vom Wetter ab. Insekten und Schimmel sind die Risiken.
- Im Backofen empfiehlt das BZfE 40 bis 50 Grad bei einen Spalt geöffneter Tür. Die Stiftung Warentest hält die Mindesttemperatur vieler Öfen von rund 50 Grad meist für zu hoch. Beide nennen den Energieverbrauch als Nachteil.
- Einkochen erhitzt deutlich stärker. Das schonendere Dörren erhält die Nährstoffe dagegen weitgehend und konzentriert die Aromen.
- Einfrieren erhält Nährstoffe gut, belegt aber dauerhaft Gefrierplatz und Strom. Gedörrtes lagert ohne Strom im Schraubglas.
- Die Mikrowelle taugt nicht. Heiße Stellen verhindern einen gleichmäßigen Wasserentzug.
Praktisch ist auch der Platzgewinn. Getrocknetes Obst und Gemüse schrumpft auf einen Bruchteil seines Volumens und ist als Snack direkt verzehrfertig.
Was gibt es beim Kauf eines Dörrgeräts zu beachten?
Das VerbraucherFenster Hessen nennt als Kaufkriterien Dörrfläche, Zahl der Ebenen, Wattleistung, Temperaturregelung, Timer, Lautstärke und spülmaschinenfeste Einlagen. Aus den Dörrzeiten oben ergibt sich, was davon im Alltag zählt.
Temperaturregelung von 30 bis 70 Grad
Das wichtigste Kriterium ist ein Thermostat, das den ganzen Bereich abdeckt. Kräuter brauchen 30 bis 40 Grad, Obst 60 bis 70 Grad. Ein Gerät, das erst bei 40 Grad beginnt, trocknet Kräuter zu heiß. Feine Stufen sind besser als drei grobe Schalterstellungen.
Timer bis 24 Stunden
Ein Durchgang dauert sechs bis 24 Stunden, Weintrauben auch länger. Eine Zeitvorwahl mit Abschaltung, die mindestens einen ganzen Tag abdeckt, erspart das Aufstehen in der Nacht und verhindert Übertrocknen.
Stapel- oder Schubladensystem
Bei Stapelgeräten liegen runde oder eckige Etagen übereinander, oft lassen sich weitere zukaufen. Schubladengeräte haben ein festes Gehäuse mit Einschüben von vorn. Dort lässt sich der Fortschritt prüfen, ohne den Turm abzubauen. Für die Ernte aus dem Garten zählt vor allem die Dörrfläche, nicht die Zahl der Etagen.
Lautstärke und Stellplatz
Der Ventilator läuft viele Stunden. Das Gerät braucht einen Platz, an dem die feuchte Luft entweichen kann, und am besten nicht direkt neben Wohn- oder Schlafraum. Der Testsieger von dTest fiel ausdrücklich als leise auf.
Material und Reinigung
Einlagen aus Edelstahl sind langlebig und geschmacksneutral. Kunststoffeinsätze sind leichter und günstiger. Spülmaschinenfeste Teile und eine herausnehmbare Bodenschale erleichtern die Reinigung nach klebrigem Obst.
Stromverbrauch und Kosten
Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten zeigt die Größenordnung. Ein 500-Watt-Gerät, dessen Thermostat bei einem 8-Stunden-Durchgang etwa die Hälfte der Zeit heizt, verbraucht rund 2 Kilowattstunden. Beim durchschnittlichen Haushaltsstrompreis laut BDEW von 37,0 Cent pro Kilowattstunde (Stand 08/2026) sind das etwa 74 Cent pro Durchgang. Höhere Temperaturen und längere Laufzeiten treiben den Wert nach oben.
Was eignet sich zum Dörren?
Fast jede Obst- und Gemüsesorte lässt sich trocknen, am besten mit fester Struktur. Diese Sorten sind die Klassiker.
- Obst: Äpfel, Birnen, Pflaumen, Aprikosen, Pfirsiche, Bananen, Ananas, Mango, Erdbeeren (halbiert, Schnittfläche nach oben) und Heidelbeeren
- Gemüse: Tomaten, Zucchini, Paprika, Möhren, Rote Bete, Sellerie. Bohnen, Erbsen, Lauch und Möhren vorher blanchieren.
- Pilze für Suppen und Saucen
- Kräuter wie Petersilie, Oregano, Rosmarin und Majoran
- Fruchtleder aus Mus, etwa von Himbeeren oder Brombeeren
Ganze Brombeeren trocknen schlecht, ihre Oberfläche bremst den Wasserentzug. Wasserreiches Gemüse wie Gurken, Salat, Radieschen oder große Tomaten verliert seine Struktur völlig. Fettreiches wie Avocados wird ranzig. Eier und Milch gehören nicht in einen herkömmlichen Dörrautomaten.
Zwei weitere Infrarot-Küchengeräte arbeiten nach dem umgekehrten Prinzip. Das Infrarot-Kochfeld und der Infrarotgrill bringen Speisen mit Strahlungswärme schnell auf hohe Temperaturen, statt ihnen langsam Wasser zu entziehen.
Infrarot-Dörrautomat kaufen: Testsieger und Marktüberblick
Die Stiftung Warentest hat selbst noch keine Dörrautomaten getestet. Sie verweist auf ihre tschechische Partnerorganisation dTest. Deren Test von 2021 ergab, dass die meisten Geräte gut arbeiteten.
| Platz bei dTest 2021 | Gerät | Preis in Deutschland (Stand 08/2025) |
|---|---|---|
| 1 (effektiv, leise, sparsam) | Sencor SFD 851GR | ab rund 50 € |
| 2 | ECG SO 570 | ab rund 45 € |
| 3 | Profi Cook DR 1116 | ab rund 115 € |
Einen Testsieger unter den Infrarot-Dörrautomaten gibt es damit nicht. Der Markt wird von klassischen Umluft-Geräten bestimmt. Geräte mit zusätzlichen IR-Strahlern tauchen nur vereinzelt auf.
Daraus folgen drei Empfehlungen.
- Für die meisten Haushalte ist ein Umluft-Dörrautomat mit Thermostat ab 30 Grad, 24-Stunden-Timer und Edelstahl-Einlagen die wirtschaftlichere Wahl.
- Ein IR-Gerät passt für Vielnutzer, die große Mengen verarbeiten und ein Modell mit derselben Grundausstattung zu einem ähnlichen Preis finden.
- Wer nur einmal im Jahr dörrt, braucht laut Stiftung Warentest gar kein eigenes Gerät. Dann tut es der Backofen.
Weitere Geräte, die mit Wärmestrahlung arbeiten, stellt die Übersicht der Infrarot-Produkte vor.


