Infrarot-Kopfhörer waren die erste Generation kabelloser Kopfhörer: Eine Sendestation überträgt den Ton per Infrarotlicht zum Hörer. Heute ist die Technik weitgehend abgelöst, Bluetooth und digitale Funkkopfhörer dominieren den Markt. IR-Modelle halten sich nur noch in Nischen, vor allem als TV-Hörer und in Auto-Entertainment-Systemen. Dieser Ratgeber erklärt, wann sich der Kauf noch lohnt und welche Alternative meist die bessere ist.
Erfahren Sie hier mehr über die Funktionsweise der IR-Kopfhörer als eines der klassischen Einsatzgebiete von Infrarotstrahlung, ihre Vor- und Nachteile und die Aspekte, auf die Sie beim Kauf achten sollten.
Vorteile und Nachteile von IR-Kopfhörern
Mit dieser Pro- und Contra-Liste können Sie schnell entscheiden, ob ein Infrarot-Kopfhörer für Ihren Zweck noch in Frage kommt oder ob eine modernere Technik die bessere Wahl ist.
Vorteile:
- Kabelloser Betrieb ohne Stolperfallen
- Sehr geringe Verzögerung (Latenz), Bild und Ton bleiben synchron
- Abhörsicher im Raum: Das Signal endet an der Wand
- Keine Funkstörungen durch WLAN oder Bluetooth-Geräte
- Gebraucht und als Restposten oft sehr günstig
Nachteile:
- Analoge Übertragung mit hörbarem Grundrauschen
- Ständiger Sichtkontakt zum Sender erforderlich
- Reichweite nur wenige Meter, kein Raumwechsel möglich
- Eigene Batterie oder Akku im Kopfhörer nötig
- Störungen durch Sonnenlicht und andere IR-Quellen
- Kaum noch Neugeräte und Ersatzteile im Handel
Mit einem IR-Kopfhörer können Sie also nicht einfach den Raum wechseln, wie das bei Bluetooth- oder Funkkopfhörern möglich ist. Die Verbindung bricht ab, sobald der Sichtkontakt unterbrochen wird.
Worauf sollte beim Kauf geachtet werden?
Wenn Sie sich trotz der Einschränkungen IR-Kopfhörer kaufen möchten, etwa als Ersatz für ein bestehendes System im Auto, achten Sie auf folgende Punkte.
1. Ausreichende Reichweite
Vergleichen Sie die angegebene Reichweite der Modelle. Hersteller messen unter optimalen Bedingungen, in der Praxis erreichen Sie meist weniger. Üblich sind bei IR-Kopfhörern etwa 7 bis 10 Meter bei freier Sicht. Rechnen Sie Sitzposition und Raumgröße realistisch durch, bevor Sie bestellen.
2. Akku bzw. Batteriebetrieb
Viele IR-Kopfhörer arbeiten noch mit AA- oder AAA-Batterien. Das klingt praktisch, hat aber Haken:
- Der Batteriewechsel ist oft umständlich, weil die Ohrpolster dafür abgenommen werden müssen.
- Komfortabler sind Modelle mit festem Akku und Ladestation: Kopfhörer einhängen, fertig.
- Prüfen Sie die angegebene Laufzeit. Weniger als 10 Stunden bedeutet bei täglichem TV-Konsum häufiges Nachladen.
- Bei Auto-Systemen sind Batterien sinnvoll, weil sich unterwegs kein Ladegerät anschließen lässt.
3. Guter Tragekomfort
Beim Fernsehen wird der Kopfhörer oft mehrere Stunden am Stück getragen:
- Er darf auch nach längerer Zeit nicht drücken oder einengen, das Gewicht sollte unter 300 Gramm liegen.
- Es gibt geschlossene, halboffene und offene Bauarten. Geschlossene Modelle schirmen Umgebungsgeräusche besser ab.
- Achten Sie auf das Material der Ohrpolster: Stoff ist atmungsaktiv, Kunstleder dichtet besser ab, verschleißt aber schneller.
Lesen Sie vor dem Kauf die Erfahrungsberichte anderer Käufer. Schildert die Mehrheit einen guten Sitz, liegt die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch Sie den Kopfhörer als bequem empfinden.
Infrarotkopfhörer kaufen
Wenn Sie einen Infrarotkopfhörer kaufen möchten, prüfen Sie vorab das verbliebene Angebot. Neugeräte sind selten geworden, häufig handelt es sich um Auto-Zubehör oder TV-Hörer. Diese erhältlichen Modelle stehen zur Auswahl:
Vergleich der IR-Kopfhörer mit anderen Techniken
Im Vergleich zu kabelgebundenen Kopfhörern bieten IR-Modelle mehr Bewegungsfreiheit und keine Stolperfallen. Dafür ist die Klangqualität kabelgebundener Hörer besser, und sie benötigen keine eigene Stromversorgung. Bei kabellosen Kopfhörern konkurrieren heute drei Techniken: Infrarot, digitaler Funk und Bluetooth.
IR-Modelle im Vergleich mit Funkkopfhörern
- Die IR-Übertragung verlangt permanent Sichtverbindung zwischen Sendestation und Kopfhörer. Die Bewegungsfreiheit ist auf den Raum und den Sichtbereich beschränkt.
- IR-Kopfhörer übertragen meist analog frequenzmoduliert und produzieren ein hörbares Grundrauschen, besonders bei schwachem Empfang.
- Digitale Funkkopfhörer (meist 2,4 Gigahertz) übertragen rauschfrei, durchdringen Wände und erreichen 30 bis 100 Meter. Für ältere Fernseher ohne Bluetooth sind sie heute die erste Wahl.
IR-Modelle im Vergleich mit Bluetooth-Kopfhörern
Bluetooth ist seit Jahren der Standard für kabellose Kopfhörer. Laut einer Bitkom-Erhebung geht der Trend beim Kopfhörerkauf klar zu kabellosen Modellen, True-Wireless-Hörer und kabellose Bügelkopfhörer verdrängen die Kabelvarianten.
- Bluetooth überträgt digital, also ohne Grundrauschen, mit guter bis sehr guter Klangqualität.
- Die Reichweite liegt typisch bei 10 Metern und mehr, ohne Sichtkontakt.
- Die alte Schwäche der Kompatibilität ist Geschichte: Moderne Fernseher haben Bluetooth in der Regel eingebaut, ältere Geräte rüsten Sie mit einem Bluetooth-Sender am Kopfhörerausgang für unter 30 Euro nach.
- Ein Restthema bleibt die Latenz: Ohne aptX Low Latency oder vergleichbare Codecs kann der Ton dem Bild minimal hinterherlaufen. Hier punkten IR- und Funkkopfhörer mit praktisch verzögerungsfreier Übertragung.
Wie funktioniert ein Infrarot Kopfhörer?
IR-Kopfhörer bildeten die erste Kopfhörer-Generation ohne Kabel. Die Sendestation wird per Klinkenkabel an Fernseher oder Verstärker angeschlossen und wandelt das Tonsignal in moduliertes Infrarotlicht um. Als Strahlungsquelle dienen Infrarot-Leuchtdioden; das Bundesamt für Strahlenschutz nennt für die drahtlose IR-Kommunikation den Wellenlängenbereich um 880 bis 950 Nanometer, in dem Fotodioden am empfindlichsten sind. Das Licht ist für das Auge unsichtbar und gesundheitlich unbedenklich.
Im Kopfhörer empfängt eine Fotodiode das Signal. Bei der verbreiteten analogen Frequenzmodulation wandelt ein Demodulator das Signal zurück in Ton, bei den selteneren digitalen Modellen übernimmt das ein Digital-Analog-Wandler. Ein eingebauter Verstärker treibt anschließend die Lautsprecher an. Weil der Kopfhörer aktiv empfängt und verstärkt, ist eine eigene Energiequelle nötig: Batterie oder Akku, je nach Modell über Ladestation oder Kabel aufladbar. Mehr zu den physikalischen Grundlagen lesen Sie im Beitrag Infrarotstrahlung einfach erklärt.
Die gleiche Lichttechnik steckt übrigens auch in der Infrarot-Fernbedienung, nur dass dort kurze Steuerbefehle statt eines kontinuierlichen Tonsignals übertragen werden.
Für welche Anwendungen sind IR-Kopfhörer geeignet?
IR-Kopfhörer sind heute Legacy-Technik: Wer neu kauft, greift in fast allen Fällen besser zu Bluetooth oder digitalem Funk. Drei Nischen bleiben:
- Auto-Entertainment: In Fahrzeugen mit Deckenmonitor oder Kopfstützen-Bildschirmen sind IR-Kopfhörer weiterhin Standardzubehör. Im Auto stört der fehlende Raumwechsel nicht, der Sichtkontakt ist garantiert, und mehrere Hörer empfangen parallel ohne Kopplungsaufwand.
- TV-Hörer und Hörverstärker: Einfache Kinnbügel-Hörer für Menschen mit nachlassendem Gehör arbeiten teils noch mit Infrarot. Sie verstärken den TV-Ton individuell, ohne andere im Raum zu stören. Auch hier verdrängen Funk-Modelle die IR-Technik zunehmend.
- Abhörsichere Übertragung im Raum: Da Infrarotlicht Wände nicht durchdringt, bleibt der Ton im Raum, ein Vorteil etwa in Konferenz- und Dolmetschanlagen.
Welche Hersteller gibt es auf dem Markt?
Das Angebot an Neugeräten ist deutlich geschrumpft. Aktuell finden Sie IR-Kopfhörer vor allem von diesen Anbietern:
- Thomson (TV-Hörer und Kinnbügel-Modelle)
- TechniSat (TV- und Hörverstärker-Kopfhörer)
- Soundmaster (TV-Hörer)
- Ampire (Auto-Entertainment-Zubehör)
- Alpine (Zubehör für Deckenmonitore im Fahrzeug)
Philips und Sennheiser, früher die bekanntesten Namen in diesem Segment, haben ihre Infrarot-Modelle eingestellt und bieten für den TV-Bereich nur noch Funk- und Bluetooth-Kopfhörer an. Prüfen Sie bei Restposten, ob Ersatz-Ohrpolster und Ersatz-Akkus noch lieferbar sind.


