Vollspektrumstrahler: Wirkung, Besonderheiten, Vor- & Nachteile

Vollspektrumstrahler in einer Infrarotkabine aus hellem Holz

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Vollspektrumstrahler strahlen als einzige Strahlerart in allen drei Infrarotbereichen: IR-A, IR-B und IR-C. Der kurzwellige IR-A-Anteil dringt am tiefsten in die Haut ein und macht sie zur kräftigsten Wärmequelle der Infrarotkabine. Er ist zugleich der Grund für Abstand, Augenschutz und begrenzte Sitzungsdauer.

Wer eine Kabine kauft oder nachrüstet, findet hier die Entscheidungsgrundlage. Den direkten Vergleich mit den anderen Bauarten liefert der Beitrag zu Vollspektrum-, Flächen- und Tiefenstrahlern.

Wirkung von Vollspektrumstrahlern

Die meisten Geräte arbeiten mit Quarzglas-Röhren, die IR-A, IR-B und IR-C gleichzeitig abgeben. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) unterteilt Infrarot so:

BereichWellenlängeWo die Strahlung im Körper wirkt
IR-A780 bis 1.400 nmdringt bis etwa 5 mm ein, erreicht die Unterhaut, im Auge die Netzhaut
IR-B1.400 bis 3.000 nmwird weitgehend in der Oberhaut absorbiert
IR-C3.000 nm bis 1 mmwirkt fast nur an der Hautoberfläche

Nach Angaben des BfS kann IR-A bis etwa 5 Millimeter tief in die Haut gelangen. Die Wärme erreicht damit gut durchblutete Schichten, und das regt die lokale Durchblutung an. Viele Nutzer empfinden das bei verspannter Muskulatur als angenehm.

Tiefenwärme hat Grenzen. Auch IR-A kommt nur wenige Millimeter weit. Tiefere Muskelschichten erwärmen sich indirekt, weil Wärmeleitung und Blutkreislauf die Wärme weitertragen. Bei Vollspektrumstrahlern setzt dieser Effekt schneller ein als bei reinen Flächenstrahlern, weil die Strahlungsintensität höher ist.

IR-B und IR-C erwärmen vor allem die Hautoberfläche und fördern das Schwitzen. Bei langen Sitzungen kann die Haut dabei austrocknen, eine Pflege danach ist sinnvoll. Die Grundlagen zur Physik stehen in Infrarotstrahlung einfach erklärt.

Ist die Strahlung von Vollspektrumstrahlern schädlich?

Infrarotstrahlung ist nicht ionisierend und Teil des Sonnenlichts. In dosierter Anwendung und mit Abstand gilt sie als vertretbar. Wegen des IR-A-Anteils ist bei Vollspektrumstrahlern aber mehr Vorsicht nötig als bei milden Flächenstrahlern. Die Frage ist ausführlicher im Beitrag Infrarotkabine: schädlich oder gesund? behandelt.

Augen. Für IR-A ist der vordere Teil des Auges durchlässig, deshalb kann die Strahlung die Netzhaut erreichen. Das BfS nennt Netzhautschädigungen als möglich und warnt, dass bei chronischer Bestrahlung mit starken Infrarotquellen die Linse langfristig trüben kann. Schauen Sie nicht in die Röhren, schließen Sie die Augen oder tragen Sie eine geeignete Schutzbrille.

Warnsignal der Haut. Die Hitze- und Schmerzrezeptoren sitzen direkt unter der Oberhaut. IR-A spricht sie weniger an als IR-B und IR-C. Das Körpergefühl warnt bei Vollspektrumstrahlern deshalb später, und genau das macht Dauer und Abstand wichtiger.

Haut. Bei anhaltender Hautrötung keine weitere Bestrahlung, im Zweifel ärztlich abklären. Das BfS nennt außerdem Untersuchungen, die Infrarot an Kollagenabbau und beschleunigter Hautalterung beteiligt sehen. Bei regelmäßiger, langer Wärmeeinwirkung ist zudem eine netzartige Hautverfärbung (Hitzemelanose) beschrieben.

Abstand und Dauer. Halten Sie den Mindestabstand des Herstellers ein und berühren Sie das Schutzgitter nicht. Beginnen Sie mit kurzen Sitzungen und steigern Sie sich langsam.

Einschränkungen. Unter Alkohol, Drogen oder Medikamenten, die die Schmerzwahrnehmung herabsetzen, sollten Wärmekabinen nicht benutzt werden. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen fragen vorher ihren Arzt.

Abgrenzung zu anderen Strahlern

In Kabinen kommen drei Bauarten zum Einsatz, oft kombiniert:

KeramikstrahlerFlächenstrahlerVollspektrumstrahler
Spektrumüberwiegend IR-B und IR-Cüberwiegend IR-CIR-A, IR-B und IR-C
Wärmecharakterpunktgenau, intensivmild, gleichmäßigkräftig, gerichtet
Berührenheiß, Gitter nötigoft problemlos, anlehnen möglichheiß, Gitter nötig
Typischer EinsatzRücken, WadenGrundwärme der Kabineintensive Rückenwärme

Vollspektrumstrahler sind deshalb auch als ABC-Strahler bekannt. Häufig sitzen sie am Rücken, während Flächenstrahler an den Wänden die Grundwärme liefern. Die genaue Aufheizzeit nennt der Hersteller.

Vor- und Nachteile

Vorteile:

  • Komplettes Spektrum: IR-A, IR-B und IR-C in einem Gerät, die Wärme ist spürbar kräftiger als bei reinen IR-C-Strahlern.
  • Kurze Vorheizzeit: Röhrenstrahler liefern nach kurzer Zeit volle Leistung.
  • Gezielte Anwendung: Die gerichtete Strahlung lässt sich auf Rücken oder Waden ausrichten.
  • Direkte Wirkung auf die Haut: Die Wärme kommt von den Strahlern, nicht von heißer Kabinenluft.

Nachteile:

  • Höherer Preis: Kabinen mit Vollspektrumstrahlern kosten meist mehr als Modelle mit reinen Flächenstrahlern.
  • Heiße Oberflächen: Direkter Kontakt verursacht Verbrennungen, anlehnen geht nicht.
  • Mehr Vorsicht nötig: Augenschutz und Mindestabstand zählen wegen des IR-A-Anteils stärker.
  • Punktuelle Wärme: Ohne ergänzende Flächenstrahler bleibt die Wärmeverteilung ungleichmäßig.

Für wen sind Vollspektrumstrahler geeignet?

Sie passen zu Sportlern, die nach dem Training kräftige Wärme für die Muskulatur wollen, und zu Menschen mit Verspannungen im Rücken, die gerichtete Wärme schätzen. Wer wenig Zeit hat, profitiert von der kurzen Vorheizzeit.

Ärztliche Rücksprache gilt für Schwangere, für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, akuten Entzündungen oder Fieber und für alle, die Medikamente einnehmen, welche Wärmeempfinden oder Kreislauf beeinflussen. Für Kinder gilt: nur kurz, beaufsichtigt und mit großem Abstand zum Strahler.

Das BfS erwähnt Infrarotwärme als traditionelle Hilfe bei Muskelschmerzen und Verspannungen. Heilversprechen für einzelne Krankheiten lassen sich daraus nicht ableiten. Was zur Wärmewirkung belegt ist, fasst der Beitrag zur Wirkung von Infrarotstrahlung zusammen.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

  • Leistung und Anordnung: Das BfS weist darauf hin, dass die Watt-Angabe allein nicht zeigt, wie viel Strahlung pro Quadratmeter beim Körper ankommt. Einbauort und Abstand sind mindestens so wichtig. Der Infrarotkabine-Berater hilft bei der Auswahl.
  • Schutzgitter und Reflektor: Beides sollte fest verbaut sein, das Gitter schützt vor Kontaktverbrennungen.
  • Steuerung: Getrennt schaltbare Strahler und eine Zeitschaltung erhöhen Komfort und Sicherheit.
  • Geprüfte Sicherheit: CE-Kennzeichnung und idealerweise ein GS-Zeichen.
  • Garantie und Ersatzteile: Quarzglas-Röhren sind Verschleißteile. Prüfen Sie, ob Ersatzröhren einzeln erhältlich sind. Manche Hersteller geben auf ihre Strahler eine lebenslange Garantie, etwa Axotherm auf die Vollspektrumstrahler seiner Kabinen.
  • Bewertungen: Wiederkehrende Mängel, etwa früh ausfallende Röhren, sind ein Warnsignal.

Nachrüstung in eine bestehende Kabine

Der nachträgliche Einbau ist möglich und meist günstiger als ein Kabinentausch. Wählen Sie ein Modell, dessen Größe, Befestigung und Leistung zu Kabine und Steuerung passen. Nehmen Sie die Kabine vor dem Ausbau komplett vom Netz und montieren Sie den Strahler samt Reflektor und Schutzgitter nach Anleitung. Festanschlüsse gehören in die Hände einer Elektrofachkraft.

Üblich ist die Montage an der Rückwand auf Rückenhöhe, ergänzt um Wadenstrahler. Zum Körper gilt der Mindestabstand aus der Herstellerangabe. Mehrere Strahler brauchen Abstand zueinander, damit sich die Wärme verteilt und kein Hitzestau entsteht.

Häufige Fragen

Wie viele Vollspektrumstrahler braucht eine Infrarotkabine?
Das legt der Kabinenhersteller fest, meist ein bis vier Strahler, ausgerichtet auf Rücken, Waden und Front. Die Watt-Zahl allein sagt wenig: Entscheidend sind Einbauort und Abstand zum Körper. Viele Kabinen kombinieren Röhren am Rücken mit Flächenstrahlern für die Grundwärme.
Kann ich Vollspektrumstrahler in eine bestehende Kabine nachrüsten?
Ja, wenn Größe, Halterung und Anschlussleistung zur Kabine passen. Nachrüst-Sets kommen oft mit Reflektor und Schutzgitter. Einen Festanschluss legt eine Elektrofachkraft, bei Steckermodellen genügt eine freie Steckdose.
Merke ich rechtzeitig, wenn es zu heiß wird?
Nur eingeschränkt. Die Hitzerezeptoren der Haut reagieren auf IR-A schwächer als auf IR-B und IR-C, die Wärme kommt also tiefer an, bevor die Haut warnt. Brechen Sie die Sitzung bei den ersten Anzeichen von Überhitzung ab und steigern Sie die Dauer in kleinen Schritten.
Quellen