Vollspektrumstrahler decken als einzige Strahlerart das komplette Infrarotspektrum ab: IR-A, IR-B und IR-C. Das macht sie zur intensivsten Wärmequelle in der Infrarotkabine, verlangt aber auch den größten Respekt bei Abstand und Anwendungsdauer. Dieser Ratgeber erklärt Wirkung, Unterschiede zu anderen Strahlern sowie Vor- und Nachteile.
Wenn Sie eine Kabine kaufen oder einen vorhandenen Strahler aufrüsten möchten, finden Sie hier die Entscheidungsgrundlage. Einen direkten Vergleich aller drei Strahlerarten bietet unser Beitrag zu Vollspektrum-, Flächen- und Tiefenstrahlern.
Wirkung von Vollspektrumstrahlern
Vollspektrumstrahler arbeiten meist mit Quarzglas-Röhren, die innerhalb von Sekunden Betriebstemperatur erreichen. Sie geben kurz-, mittel- und langwellige Infrarotstrahlung gleichzeitig ab. Der entscheidende Unterschied zu anderen Strahlern liegt im IR-A-Anteil.
Wirkung auf den Körper
Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz dringt kurzwellige IR-A-Strahlung bis zu etwa 5 Millimeter in die Haut ein. Die Wärme erreicht damit gut durchblutete Hautschichten, erweitert die Gefäße und regt die Durchblutung an. Viele Nutzer empfinden das als wohltuend bei verspannter Muskulatur. Die Wärme der übrigen Anteile verteilt sich zusätzlich über Wärmeleitung im Gewebe.
Wirkung auf die Haut
IR-B- und IR-C-Strahlung wird größtenteils in der obersten Hautschicht absorbiert und erwärmt die Hautoberfläche. Das fördert das Schwitzen, kann die Haut aber bei langen Sitzungen austrocknen. Eine Feuchtigkeitspflege nach der Sitzung ist deshalb sinnvoll.
Tiefenwirkung
Die oft beworbene „Tiefenwärme” ist physikalisch begrenzt: Auch IR-A kommt nur wenige Millimeter weit. Tiefere Muskelschichten erreicht die Wärme indirekt, weil das erwärmte Blut sie im Körper verteilt. Genau dieser Effekt setzt bei Vollspektrumstrahlern schneller ein als bei reinen Flächenstrahlern, weil die Strahlungsintensität höher ist.
Arten der Infrarotstrahlung
Infrarotstrahlung ist der unsichtbare Teil des elektromagnetischen Spektrums zwischen sichtbarem Licht und Mikrowellen. Das Bundesamt für Strahlenschutz unterteilt sie in drei Bereiche:
- Infrarot-A (IR-A): 780 bis 1.400 Nanometer. Dringt am tiefsten in die Haut ein, bis zu etwa 5 Millimeter. Erzeugt die intensivste Wärmewirkung im Gewebe.
- Infrarot-B (IR-B): 1.400 bis 3.000 Nanometer. Wird überwiegend in der Oberhaut absorbiert.
- Infrarot-C (IR-C): 3.000 Nanometer bis 1 Millimeter. Wirkt fast vollständig an der Hautoberfläche und steht für die milde, flächige Wärme.
Vollspektrumstrahler decken alle drei Bereiche ab, deshalb auch die Bezeichnung ABC-Strahler. Flächenstrahler arbeiten dagegen überwiegend im IR-C-Bereich, Keramikstrahler im IR-B- und IR-C-Bereich. Mehr zu den physikalischen Grundlagen lesen Sie im Beitrag Infrarotstrahlung einfach erklärt.
Ist die Strahlung von Vollspektrumstrahlern schädlich?
Infrarotstrahlung ist nicht ionisierend und kommt auch im Sonnenlicht vor. In dosierter Anwendung gilt sie als unbedenklich. Wegen des IR-A-Anteils verlangen Vollspektrumstrahler aber mehr Vorsicht als andere Strahlerarten.
Worauf Sie achten sollten
- Augen: Für IR-A ist das Auge bis zur Netzhaut durchlässig. Schauen Sie nicht direkt in den Strahler, schließen Sie die Augen oder nutzen Sie eine Schutzbrille. Bei chronisch hoher Bestrahlung kann sich langfristig die Augenlinse trüben.
- Abstand: Die Röhren werden im Betrieb sehr heiß. Halten Sie den vom Hersteller angegebenen Mindestabstand ein und berühren Sie das Schutzgitter nicht.
- Dauer: Üblich sind 15 bis 30 Minuten pro Sitzung. Steigern Sie sich langsam, statt mit der Maximaldauer zu beginnen.
- Hautreaktion: Bei anhaltender Hautrötung keine weitere Bestrahlung, im Zweifel ärztlich abklären lassen. Dauerhaft hohe Wärmedosen können die Hautalterung beschleunigen.
- Einschränkungen: Keine Nutzung unter Alkohol, Drogen oder schmerzdämpfenden Medikamenten, weil das Wärmeempfinden dann nicht verlässlich warnt. Trinken Sie vor und nach der Sitzung ausreichend Wasser.
Besonderheiten und Abgrenzung zu anderen Strahlern
In Infrarotkabinen kommen drei Strahlertypen zum Einsatz, die sich in Spektrum, Wärmecharakter und Einsatzzweck unterscheiden.
- Punkt- oder Stabstrahler mit Strahlung im IR-B- und IR-C-Bereich.
- Intensive, punktgenaue Wärme, etwa für den Rückenbereich.
- Robust und vergleichsweise günstig, aber kein IR-A-Anteil.
- Großflächige Karbon- oder Magnesiumelemente, überwiegend IR-C.
- Milde, gleichmäßige Wärme mit niedriger Oberflächentemperatur, anlehnen ist möglich.
- Ideal für die Grundwärme der Kabine, ohne intensive Strahlungsspitzen.
Vollspektrumstrahler
- Quarzglas-Röhren mit IR-A, IR-B und IR-C.
- Kürzeste Aufheizzeit aller Strahlerarten, die Kabine ist fast sofort nutzbar.
- Höchste Strahlungsintensität, deshalb Mindestabstand und Schutzgitter nötig.
- Häufig als Kombination verbaut: Vollspektrum am Rücken, Flächenstrahler an den Wänden.
Vor- und Nachteile von Vollspektrumstrahlern
Vorteile:
- Komplettes Spektrum: IR-A, IR-B und IR-C in einem Gerät, spürbar intensivere Wärme als bei reinen IR-C-Strahlern.
- Kaum Vorheizzeit: Quarzglas-Röhren liefern nach wenigen Sekunden volle Leistung, das spart Strom in der Aufwärmphase.
- Gezielte Anwendung: Die gerichtete Strahlung lässt sich auf Rücken oder Waden ausrichten.
- Niedrigere Kabinentemperatur möglich: Weil die Strahlung direkt auf der Haut wirkt, schwitzen Sie schon bei 35 bis 50 Grad Celsius Raumtemperatur in der Kabine.
Nachteile:
- Höherer Preis: Kabinen mit Vollspektrumstrahlern kosten mehr als vergleichbare Modelle mit reinen Flächenstrahlern.
- Heiße Oberflächen: Direkter Kontakt verursacht Verbrennungen, anlehnen ist nicht möglich.
- Mehr Vorsicht nötig: Augenschutz und Mindestabstand sind beim IR-A-Anteil wichtiger als bei milden Flächenstrahlern.
- Punktuelle Wärme: Ohne ergänzende Flächenstrahler bleibt die Wärmeverteilung in der Kabine ungleichmäßig.
Für wen sind Vollspektrumstrahler geeignet?
Geeignet sind sie vor allem für:
- Sportler und körperlich aktive Menschen, die nach dem Training eine intensive, schnell verfügbare Wärme für die Muskulatur wünschen.
- Menschen mit Muskelverspannungen, die von der gerichteten Rückenwärme profitieren möchten.
- Ungeduldige Nutzer: Wer keine 10 bis 15 Minuten Vorheizzeit einplanen will, fährt mit Quarzglas-Röhren am besten.
- Wellness-Nutzer mit wenig Zeit, weil schon kurze Sitzungen deutlich wärmen.
Vorsicht oder ärztliche Rücksprache gilt für:
- Schwangere sowie Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, akuten Entzündungen oder Fieber.
- Personen, die Medikamente einnehmen, die das Wärmeempfinden oder den Kreislauf beeinflussen.
- Kinder: nur kurz, beaufsichtigt und mit großem Abstand zum Strahler.
Konkrete gesundheitliche Fragen klären Sie vor dem Kauf mit Arzt oder Ärztin. Welche Wärmewirkung wissenschaftlich belegt ist, fasst der Beitrag zur Wirkung von Infrarotstrahlung zusammen.
Wann bzw. wofür werden Vollspektrumstrahler eingesetzt?
Vollspektrumstrahler sind die erste Wahl, wenn die Kabine mehr leisten soll als milde Entspannungswärme:
- Muskelentspannung: Die intensive Wärme hilft vielen Nutzern, verspannte Rücken-, Nacken- und Beinmuskulatur zu lockern.
- Aufwärmen vor oder nach dem Sport: Kurze Sitzungen bereiten die Muskulatur vor oder unterstützen die Erholung.
- Wellness mit kurzer Vorlaufzeit: Die Kabine ist ohne lange Aufheizphase nutzbar.
- Begleitende Wärmeanwendung: Wärme wird traditionell bei Verspannungen und zur Entspannung eingesetzt. Heilversprechen für einzelne Krankheiten lassen sich aus der Studienlage jedoch nicht ableiten. Bei chronischen Beschwerden gehört die Behandlung in ärztliche Hände.
Worauf sollte ich beim Kauf eines Vollspektrumstrahlers achten?
- Leistung und Anzahl: Für eine 1- bis 2-Personen-Kabine sind zwei bis drei Strahler mit je 300 bis 500 Watt üblich. Unser Infrarotkabine-Berater hilft bei der Dimensionierung.
- Schutzgitter und Reflektor: Beides sollte fest verbaut sein, das Gitter schützt vor Kontaktverbrennungen.
- Steuerung: Getrennt schaltbare Strahler und eine Zeitschaltung erhöhen Komfort und Sicherheit.
- Geprüfte Sicherheit: Achten Sie auf CE-Kennzeichnung und idealerweise ein GS-Zeichen.
- Passung: Maße, Halterung und elektrischer Anschluss müssen zur Kabine passen, sonst wird die Nachrüstung teuer.
- Garantie und Ersatzteile: Quarzglas-Röhren sind Verschleißteile. Prüfen Sie, ob Ersatzröhren einzeln erhältlich sind.
- Händler und Bewertungen: Wiederkehrende Mängel in Kundenbewertungen, etwa früh ausfallende Röhren, sind ein Warnsignal.
Nachrüstung von Vollspektrumstrahlern
Der nachträgliche Einbau in eine bestehende Kabine ist möglich und meist günstiger als ein Kabinentausch.
So gehen Sie vor:
- Passendes Modell wählen: Größe, Befestigung und Wattleistung müssen zur Kabine und zur vorhandenen Steuerung passen.
- Strom trennen: Vor dem Ausbau des alten Strahlers die Kabine vollständig vom Netz nehmen.
- Montage nach Anleitung: Strahler mit Reflektor und Schutzgitter befestigen, Anschlüsse prüfen. Festanschlüsse gehören in die Hände einer Elektrofachkraft.
Position und Abstand:
- Üblich ist die Montage an der Rückwand auf Höhe des Rückens, ergänzt um Wadenstrahler.
- Zum Körper gilt der herstellerspezifische Mindestabstand, je nach Leistung meist 30 bis 100 Zentimeter.
- Mehrere Strahler brauchen Abstand zueinander, damit sich die Wärme gleichmäßig verteilt und kein Hitzestau entsteht.


