Verspannungen in Nacken, Schultern und Rücken gehören für viele Menschen zum Alltag, ob durch Schreibtischarbeit, einseitige Belastung oder Stress. Massagegeräte für den Heimgebrauch sollen die Muskulatur durch Vibration oder Knetmassage lockern. Viele Modelle kombinieren das mit Wärme, denn Wärmeanwendungen werden seit jeher zur Muskelentspannung eingesetzt.
Genau hier setzen Infrarot-Massagegeräte an: Sie erzeugen über IR-Strahler eine angenehme Wärme direkt an der behandelten Stelle und können so Verspannungen lösen helfen.
Was ist ein Infrarot Massagegerät und wie funktioniert es?
Ein Infrarot-Massagegerät ist ein elektrisches Gerät für den Heimgebrauch, das die Haut und die oberflächennahe Muskulatur mit Infrarot-Wärme und meist zusätzlicher mechanischer Massage stimuliert.
- Die Infrarotstrahlung wird von der Haut absorbiert und in Wärme umgewandelt. Wichtig für die richtige Erwartung: Laut Bundesamt für Strahlenschutz dringt selbst kurzwellige IR-A-Strahlung nur bis in die Unterhaut ein, tiefere Gewebeschichten erreichen die Wärme indirekt über Wärmeleitung und die gesteigerte Durchblutung.
- Die meisten Geräte kombinieren die Wärme mit einer Vibrations- oder Knetmassage, die verspannte Muskelpartien mechanisch lockert.
- Aufgebaut sind Handgeräte aus einem Massagekopf mit IR-Strahler und Vibrationsmotor sowie einem Griff, oft mit wechselbaren Aufsätzen für verschiedene Körperpartien.
Daneben gibt es die Technik in anderen Bauformen: als Shiatsu-Kissen für Nacken und Rücken, als Massageauflage für den Sessel oder als Fußmassagegerät. Wer am ganzen Körper Verspannungen hat, ist mit einem Handgerät flexibel; für eine feste Problemzone wie den Nacken ist ein Kissen mit rotierenden Massageköpfen und zuschaltbarer Wärme komfortabler. Die Energieversorgung läuft je nach Modell über Akku, Batterien oder Netzkabel.
Worauf beim Kauf eines IR-Massagegeräts achten?
Die angebotenen Modelle unterscheiden sich in Funktionsumfang und Handhabung teils erheblich. Achten Sie auf folgende Punkte:
Bequeme Bedienung mit einer Hand
Wählen Sie ein Modell, das sich mit einer Hand führen und bedienen lässt, gerade wenn Sie den eigenen Rücken erreichen wollen. Die Tasten sollten griffgünstig liegen und auch während der Massage erreichbar sein, das Gewicht des Geräts spielt bei längeren Anwendungen eine spürbare Rolle.
Ausstattung des Massagegerätes
Informieren Sie sich vor dem Kauf, welche Funktionen das Gerät bietet:
- Arbeitet es nur mit Infrarot-Wärme oder zusätzlich mit Vibration bzw. Knetmassage? Die Kombination ist für Verspannungen die wirksamere Variante.
- Lassen sich Massagestärke und Wärmefunktion getrennt regeln oder zuschalten? Das Wärmeempfinden ist individuell sehr verschieden, eine separate Steuerung ist deshalb klar im Vorteil.
Lautstärke im Betrieb
Vibrationsmotoren können laut sein. Da eine Massage auch der Entspannung dient, sind Geräte mit hohem Geräuschpegel auf Dauer störend, ein Blick in Nutzerbewertungen lohnt sich hier besonders.
Auf was Sie noch achten sollten
Prüfen Sie in der Produktbeschreibung außerdem diese Punkte:
- Gibt es einen Timer bzw. eine automatische Abschaltung?
- Ist ein Überhitzungsschutz vorhanden?
- Gehören Aufsätze oder eine Transporttasche zum Lieferumfang?
Wie teuer ist das Infrarot Massagegerät
Die Preisspanne ist groß:
- Einfache Handgeräte beginnen bei etwa 20 bis 30 Euro.
- Shiatsu-Kissen mit zuschaltbarer IR-Wärme kosten 40 bis 80 Euro.
- Massageauflagen und Geräte im Profisegment liegen bei 100 bis über 200 Euro.
Gut beraten sind Sie mit einem Gerät eines etablierten Herstellers, zu dem es ausreichend echte Erfahrungsberichte gibt.
Wirkung einer IR-Massage gegenüber einer normalen Massage
Im Gegensatz zur rein mechanischen Massage steht bei der IR-Massage die Wärme im Vordergrund. Das Bundesamt für Strahlenschutz beschreibt die belegten Effekte von Infrarot-Wärmeanwendungen so: Sie können die lokale Durchblutung fördern und die Muskelspannung senken.
- Das erwärmte Gewebe wird besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, die Muskulatur entspannt sich, was viele Anwender unmittelbar als Lösung der Verspannung spüren.
- Wärme kann zudem die Schmerzwahrnehmung dämpfen, ein Prinzip, das die Medizin seit Langem in der Wärmetherapie nutzt, etwa bei Muskelverspannungen im Rücken.
- Wichtig zur Einordnung: Diese Effekte betreffen vor allem oberflächennahes Gewebe. Werbeaussagen, die Wärme dringe „tief in die Faszien” ein, überzeichnen die physikalische Realität, die Tiefenwirkung entsteht indirekt über die Durchblutung.
Anwendungsbereiche und Krankheitsbilder für die IR-Massage
Die Wärme eines Infrarot-Massagegeräts wird typischerweise eingesetzt:
- bei Muskelverspannungen in Nacken, Schultern und Rücken,
- bei Muskelkater und allgemeinem Spannungsgefühl nach Belastung,
- zur Entspannung und zum Stressabbau am Abend.
Bei chronischen Gelenkbeschwerden wie Arthrose empfinden manche Betroffene Wärme als angenehm. Hier gilt aber: Anwendung nur nach Rücksprache mit dem Arzt, denn bei aktivierten, entzündlichen Gelenken ist Wärme kontraproduktiv. Anhaltende oder zunehmende Schmerzen gehören grundsätzlich in ärztliche Abklärung, ein Heimgerät ersetzt keine Diagnose.
Vor- und Nachteile gegenüber der mechanischen Massage
Die Kombination aus Wärme und Mechanik hat gegenüber der rein mechanischen Massage mehrere Vorteile:
- Die Wärme entspannt die Muskulatur vor, sodass die mechanische Massage angenehmer wirkt und weniger Druck nötig ist.
- Die gesteigerte Durchblutung unterstützt die Regeneration des behandelten Gewebes.
- Viele Anwender empfinden die Wärme als wohltuend und stressreduzierend, ein Effekt, den ein reiner Vibrationsmotor nicht bietet.
Nennenswerte Nachteile gibt es wenige: Geräte mit IR-Funktion kosten etwas mehr als vergleichbare Modelle ohne Wärme, und die Anwendung erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit, weil Wärme nicht für jeden und nicht in jeder Situation geeignet ist.
Wann sollte das IR-Massagegerät nicht eingesetzt werden?
In folgenden Fällen sollten Sie das IR-Massagegerät nicht oder nur nach Absprache mit dem behandelnden Arzt verwenden:
- Bei Fieber und akuten Infekten
- Bei akuten Entzündungen und frischen Verletzungen (hier gilt: kühlen statt wärmen)
- Bei Blutungen, Hämatomen oder Ödemen
- Bei Thrombosen und ausgeprägten Venenleiden
- Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinsuffizienz
- Bei Diabetes mit Nervenschäden (eingeschränktes Hitzeempfinden, Verbrennungsgefahr)
- Bei Tumorerkrankungen
- Auf Hautarealen mit Ausschlägen, Wunden oder Sensibilitätsstörungen
Auch Schwangere sollten die Anwendung vorab mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen. Das Bundesamt für Strahlenschutz weist zudem darauf hin, dass intensive Infrarot-Bestrahlung den Wärmehaushalt des Körpers belasten kann, „viel hilft viel” ist bei Wärmeanwendungen der falsche Ansatz. Begrenzen Sie die Anwendung pro Körperpartie auf etwa 10 bis 15 Minuten.
Was ist Shiatsu und wie lässt es sich mit der IR-Massage kombinieren?
Shiatsu bedeutet wörtlich „Finger- oder Daumendruck” und stammt aus Japan. Dabei wird mit Handballen, Daumen oder Ellenbogen Druck auf verspannte Partien ausgeübt, um die Muskulatur zu lockern.
Shiatsu-Massagekissen für zu Hause ahmen dieses Prinzip mit rotierenden Massageköpfen nach, die sich kreisend in die Muskulatur arbeiten. Bei vielen Modellen lässt sich Infrarot-Wärme zuschalten: Die Massageköpfe leuchten dann rötlich und erwärmen das Gewebe während der Knetmassage. Diese Kombination ist für Nacken und Schultern die beliebteste Bauform, weil sie ohne eigene Handarbeit funktioniert.
Welche Hersteller auf dem Markt bieten IR-Massagegeräte an?
IR-Massagegeräte erhalten Sie von mehreren etablierten Herstellern:
- Beurer bietet das breiteste Sortiment: Handmassagegeräte mit IR-Funktion, Shiatsu-Kissen, Fußmassagegeräte und Massageauflagen, meist mit getrennt zuschaltbarer Wärme.
- Medisana führt Massageauflagen und Handgeräte mit Infrarot-Wärme, oft mit Fernbedienung und waschbaren Bezügen.
- Sanitas positioniert sich im Einsteigersegment mit soliden Geräten zu günstigen Preisen, vom Mini-Massagegerät bis zum Shiatsu-Kissen.
Wer Wärme großflächiger und ohne Mechanik nutzen möchte, findet im Ratgeber zur Wirkung von Infrarotwärme in der Kabine die Ganzkörper-Variante des gleichen Prinzips.