Glattes, glänzendes Haar per Knopfdruck: Das Glätteisen gehört für viele zur täglichen Routine, bei Frauen wie bei Männern. Es arbeitet mit zwei beheizten Platten, die das Haar durch Hitze formen. Genau diese Hitze ist aber auch das Problem, denn sie kann Spliss und Haarbruch verursachen.
Hier setzen Infrarot-Glätteisen an: Zusätzliche IR-Strahler sollen die Strähne gleichmäßiger durchwärmen, sodass eine niedrigere Plattentemperatur für dasselbe Ergebnis reicht. Was davon belegt ist und worauf Sie beim Kauf achten sollten, lesen Sie hier.
Vorteile von Infrarot-Glätteisen gegenüber klassischen Glätteisen
Der Kernunterschied: Beim klassischen Haarglätter wirkt die Hitze ausschließlich über den Kontakt der Platten auf die äußere Schuppenschicht und arbeitet sich von dort nach innen vor.
- Beim IR-Glätteisen ergänzt ein Infrarot-Strahler die Kontaktwärme. Infrarotstrahlung wird vom Haar absorbiert und direkt in Wärme umgewandelt, die Strähne wird dadurch gleichmäßiger temperiert.
- Der praktische Vorteil: Für dasselbe Glätt-Ergebnis reicht oft eine niedrigere Plattentemperatur. Da Hitzeschäden mit jedem Grad zunehmen, schont das tendenziell die Haarstruktur und die natürliche Feuchtigkeit.
Bei einem traditionellen Haarglätter muss die Temperatur dagegen hoch genug sein, damit die Wärme bis in den Kern der Strähne durchdringt.
- Erst dort verändert die Hitze die Wasserstoffbrücken im Haar und sorgt für die gewünschte Glätte.
- Dafür wird die äußere Schuppenschicht stärker belastet, das Haar trocknet schneller aus, glänzt weniger und wird anfälliger für Haarbruch.
Ist das Infrarot-Glätteisen wirklich schonender zum Haar?
Eine ehrliche Antwort: Unabhängige Studien speziell zu Infrarot-Glätteisen gibt es bisher kaum. Die Hersteller-Versprechen („glättet von innen”) sind in dieser Form nicht wissenschaftlich belegt.
Gut belegt ist dagegen der Zusammenhang zwischen Temperatur und Haarschaden: Eine Untersuchung im Fachjournal Annals of Dermatology zeigte, dass Schäden an der Schuppenschicht mit steigender Hitze deutlich zunehmen, von leichten Oberflächenrissen bei moderater Wärme bis zu massiven Cuticula-Schäden bei hohen Temperaturen. Daraus folgt die wichtigste Regel beim Thermostyling: so kühl wie möglich, so heiß wie nötig.
Genau hier liegt der realistische Nutzen der IR-Technik: Wenn das Gerät die Strähne gleichmäßig durchwärmt und Sie deshalb mit 150 statt 200 Grad arbeiten können, ist das ein messbarer Vorteil, unabhängig davon, wie viel „Tiefenwirkung” das Marketing verspricht.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten: 5 Tipps
Grundsätzlich empfehlen wir ein Modell, bei dem sich die Infrarot-Funktion separat zuschalten lässt. So können Sie das Glätteisen flexibel nutzen und selbst vergleichen, ob Ihr Haar mit IR-Unterstützung besser aussieht.
1. In Qualität investieren
Bei sehr preiswerten Modellen wird oft nicht nur an Materialien und Beschichtung gespart, sondern auch an der Temperaturregelung. Geräte, die ihre eingestellte Temperatur nicht halten, überhitzen das Haar punktuell. Einsteigergeräte mit IR-Funktion beginnen bei etwa 30 bis 50 Euro, solide Markengeräte kosten 80 bis über 200 Euro. Lesen Sie vor dem Kauf aktuelle Nutzerbewertungen, das erspart teure Fehlkäufe.
2. Manuelle Temperatureinstellung nach Haartyp
Wichtigstes Ausstattungsmerkmal ist eine gradgenaue Temperatureinstellung, idealerweise von etwa 120 bis 230 Grad Celsius. Als Richtwerte gelten: feines, gefärbtes oder strapaziertes Haar 130 bis 150 Grad, normales Haar 150 bis 190 Grad, nur sehr kräftiges Haar mehr. Einige Geräte messen die Haarfeuchte und regeln die Temperatur automatisch nach, das ist komfortabel, ersetzt aber nicht die bewusste Wahl einer niedrigen Grundtemperatur.
3. Ionen-Technologie gegen Frizz
Empfehlenswert sind Glätteisen mit Ionen-Funktion. Negativ geladene Ionen reduzieren die statische Aufladung, das Haar fliegt weniger und wirkt glatter. In Kombination mit der gleichmäßigen IR-Wärme bleibt das Ergebnis länger stabil.
4. Keramikplatten für schonende Anwendung
Platten mit Keramik- oder Turmalin-Beschichtung sind heute Standard und gleiten gleichmäßig durchs Haar. Hochwertiger sind Vollkeramikplatten: Sie verteilen die Wärme ohne heiße Spots und sind dadurch schonender als dünn beschichtete Metallplatten.
5. Abschaltautomatik zur Sicherheit
Eine Abschaltautomatik gehört in jedes Gerät: Bleibt das Glätteisen morgens eingeschaltet liegen, schaltet es sich nach einigen Minuten selbst ab. Das spart Strom und beugt Schmorschäden und Bränden vor. Mehr zum sicheren Umgang mit Hitzegeräten im Haushalt lesen Sie im Beitrag zur Sicherheit von Infrarotgeräten.
Infrarot Glätteisen kaufen
Das Angebot reicht vom 30-Euro-Einsteiger bis zum 250-Euro-Profigerät. Vergleichen Sie vor dem Kauf Temperaturbereich, Plattenmaterial und Abschaltautomatik, eine Auswahl beliebter Modelle finden Sie in den Produktboxen auf dieser Seite.
Tipps zur Anwendung
Mit einem hochwertigen IR-Glätteisen schützen Sie Ihr Haar schon deutlich besser vor Hitzeschäden. Gehen Sie zusätzlich nach dieser Anleitung vor:
- Schritt: Haarzustand prüfen. Glätten Sie nur gesundes, trockenes Haar. Bereits brüchiges, stark blondiertes oder frisch gefärbtes Haar sollten Sie gar nicht oder nur selten glätten.
- Schritt: Hitzeschutz auftragen. Sprays oder Fluids legen einen Schutzfilm um jedes Haar und reduzieren den Feuchtigkeitsverlust. Auch Markenhersteller wie Schwarzkopf betonen: kein Thermostyling ohne Hitzeschutz.
- Schritt: Partienweise glätten. Beginnen Sie mit dem Unterhaar und arbeiten Sie sich in dünnen Strähnen zum Deckhaar vor. Führen Sie das Eisen zügig und ohne Stopps durch die Strähne.
Setzen Sie das Gerät nicht direkt am Ansatz an, sonst riskieren Sie Verbrennungen an der Kopfhaut. Und: Glätten Sie jede Strähne nur einmal pro Durchgang statt mehrfach bei höherer Temperatur.
Wie funktioniert ein IR-Glätteisen?
Jedes Glätteisen besteht aus zwei beweglichen Hälften mit innenliegenden Heizflächen, meist aus beschichtetem Metall oder Keramik. Sie geben die Wärme an das Haar ab; das Gehäuse aus hitzebeständigem Kunststoff schützt die Hände.
Beim Infrarot-Modell kommt ein IR-Strahler hinzu, der je nach Bauart zwischen den Platten oder in einer der Hälften sitzt. Seine Strahlung dringt etwas tiefer in die Strähne ein als reine Kontaktwärme und verteilt die Energie gleichmäßiger. Das Ziel: dieselbe Formwirkung bei geringerer Plattentemperatur, damit die Schuppenschicht möglichst geschlossen bleibt und das Haar Glanz und Feuchtigkeit behält. Das Funktionsprinzip der Strahlungswärme erklären wir ausführlich im Beitrag Wie funktioniert eine Infrarotheizung?, die Physik dahinter ist dieselbe.
Welche Hersteller bieten IR-Glätteisen an?
Viele Marken führen Glätteisen, aber nur ein Teil davon Varianten mit Infrarot-Technologie. Dazu gehören:
- GHD ist auf Premium-Styling-Geräte spezialisiert, die auch in Friseursalons eingesetzt werden. Die Geräte halten ihre Temperatur sehr konstant, was für gleichmäßige Ergebnisse ohne Überhitzung sorgt.
- Remington bietet im mittleren Preissegment mehrere Haarglätter mit Keramikplatten und teils zuschaltbarer IR-Funktion an, bekannt für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
- Beurer führt Haarglätter mit Infrarot- und Ionen-Technologie, oft mit gradgenauer Temperaturwahl und Abschaltautomatik.
Daneben tauchen immer wieder kleinere Marken mit IR-Geräten auf. Achten Sie hier besonders auf geprüfte Sicherheit (GS- oder CE-Kennzeichnung mit Abschaltautomatik) und echte Nutzerbewertungen. Wer statt glatter Haare Locken stylen möchte, findet im Ratgeber zum Infrarot-Lockenstab das Gegenstück zu diesem Beitrag.