Nachtspeicherheizung durch Infrarot ersetzen: Lohnt sich der Wechsel?

Modernes Infrarot-Wandpaneel neben einem ausgebauten alten Nachtspeicherofen im Wohnzimmer

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Wer eine Nachtspeicherheizung durch Infrarot ersetzen will, zahlt je Raum meist 350 bis 930 Euro. Der Posten, der in Angeboten am häufigsten fehlt, ist die Entsorgung des Altgeräts: 100 bis 230 Euro pro Ofen, nur durch zugelassene Fachbetriebe. Der Stromverbrauch sinkt durch den Wechsel nicht von selbst. Beide Systeme setzen Strom eins zu eins in Wärme um; sparen lässt sich über die Steuerung. Für ein ganzes Haus ist die Wärmepumpe mit KfW-Bonus meist die günstigere Wahl, für einzelne Räume bleibt Infrarot der einfachste Weg.

Warum sich Nachtspeicheröfen wirtschaftlich nicht mehr rechnen

Nachtspeicheröfen sollten günstigen Nachtstrom nutzen und die Wärme tagsüber abgeben. Der Preisvorteil ist geschrumpft. Laut co2online liegt der Niedertarif 2025/26 bei rund 20 Cent je Kilowattstunde und damit kaum noch unter dem regulären Haushaltsstrom. Der Bundesdurchschnitt über alle Tarife beträgt laut BDEW-Strompreisanalyse 37,0 Cent (Stand 08/2026). Dazu kommt die Technik selbst. Die Öfen speichern Wärme auf Vorrat und geben sie ab, ob jemand im Raum ist oder nicht. Auf einen Wetterumschwung reagieren sie träge. Viele Geräte sind zudem Jahrzehnte alt und erreichen das Ende ihrer Lebensdauer, bevor die Kosten allein zum Wechsel zwingen.

Was der Umstieg auf Infrarot technisch ändert

Eine Infrarotheizung wandelt Strom wie der Speicherofen fast vollständig in Wärme um, arbeitet aber nach einem anderen Prinzip. Sie erzeugt Strahlungswärme, keine Konvektionswärme. Wände, Möbel und Personen werden direkt warm, die Raumluft erst nachrangig. Diesen Unterschied erklärt der Beitrag zur Funktionsweise der Infrarotheizung. Der Ofen heizt auf Vorrat, das Paneel reagiert sofort auf den Bedarf im Raum.

Der Tausch ist baulich einfach. Wo der Speicherofen stand, passt meist ein flaches Wandpaneel, und eine wasserführende Verteilung wie bei Gas oder Wärmepumpe entfällt. Ein Punkt kostet trotzdem Zeit: Viele Nachtspeicheröfen hängen an einem eigenen Stromkreis mit separatem Nachtstromzähler. Eine Elektrofachkraft muss diesen Kreis prüfen und je nach Fall auf den normalen Hausanschluss umklemmen, bevor das neue Paneel läuft. Wer zur Miete wohnt, klärt die Umbauarbeiten vorab mit dem Vermieter, denn Eingriffe in die Elektroinstallation gehören nicht zu den Schönheitsreparaturen einer Wohnung.

Die Kostenrechnung ohne Beschönigung

Im reinen Verbrauch ändert der Wechsel wenig, denn beide Systeme sind Direktstromheizungen und machen aus einer Kilowattstunde Strom eine Kilowattstunde Wärme. Die Verbraucherzentrale Energieberatung rät deshalb, auf elektrische Direktheizungen möglichst zu verzichten. Wo das nicht geht, empfiehlt sie den punktuellen Einsatz in den Räumen, in denen man sich aufhält. Der Spareffekt entsteht über die Steuerung. Ein Paneel mit Thermostat und Zeitprogramm heizt nur den genutzten Raum zur genutzten Zeit. Der Speicherofen gibt seine Wärme ab, ob sie gebraucht wird oder nicht. Wie sich das für Ihre Räume rechnet, zeigt der Stromkosten-Rechner.

PostenRealistische Spanne
Infrarot-Paneel je Raum (300 bis 800 Watt)150 bis 400 Euro
Montage und Elektroanpassung je Raum100 bis 300 Euro
Entsorgung des Altgeräts je Raum100 bis 230 Euro

Für einen einzelnen Raum liegen Sie damit meist zwischen 350 und 930 Euro, für drei Räume grob zwischen 1.050 und 2.800 Euro. Das Paneel ist in dieser Rechnung der größte Einzelposten. Die Entsorgung ist der Posten, den die meisten Angebote verschweigen. Sparen lässt er sich nicht.

Entsorgung: der Posten, den kein Angebot nennt

Der Ausbau ist der heikelste Teil des Wechsels. Laut co2online enthalten Geräte mit Baujahr vor 1984 häufig Asbest, vor Juli 1989 künstliche Mineralfasern und vor Juni 2000 PCB; fast alle Geräte tragen chromathaltige Speichersteine. Die eigenhändige Zerlegung ist strikt verboten. Nur zugelassene Fachfirmen dürfen die Geräte nach der Technischen Regel TRGS 519 zerlegen und entsorgen. In der Praxis transportieren viele Betriebe die Öfen unzerlegt aus dem Haus und verschließen vorher die Lüftungsöffnungen. Die Kosten für Rückbau, Demontage und Abholung trägt der Eigentümer, laut co2online erfahrungsgemäß 100 bis 230 Euro pro Gerät, bei stärkerer Belastung auch mehr. Fragen Sie bei der Terminvereinbarung nach einem Entsorgungsnachweis, denn ohne ihn lässt sich später nicht belegen, dass die Altgeräte korrekt behandelt wurden.

Wann eine Wärmepumpe die bessere Wahl ist

Für ein ganzes Haus rechnet co2online auf Basis des Heizspiegels 2025 vor: rund 2.860 Euro Heizkosten im Jahr für ein Einfamilienhaus mit Nachtspeicherheizung, etwa 1.155 Euro mit Wärmepumpe. Bei hohem Wärmebedarf holt dieser Abstand die höhere Anschaffung über die Jahre wieder herein. Und der Staat hilft beim Umstieg. Die KfW zahlt im Programm 458 eine Grundförderung von 30 Prozent für Wärmepumpen, Biomasseheizungen, Solarthermie, Brennstoffzellen und den Anschluss an ein Wärmenetz. Wer eine funktionstüchtige Nachtstromspeicherheizung ausbauen, fachgerecht entsorgen und in der selbst genutzten Wohnung durch eine dieser Heizungen ersetzen lässt, bekommt zusätzlich den Klimageschwindigkeitsbonus von 16 Prozent der förderfähigen Kosten. Er sinkt erstmals zum 01.02.2027 und danach halbjährlich. Als Beispiel nennt die KfW ausdrücklich eine Luft-Luft-Wärmepumpe, also ein Klima-Split-Gerät. Es kommt ohne Rohrleitungen aus und lässt sich damit in derselben Lage einbauen wie ein Infrarot-Paneel. Elektrische Direktheizungen wie Infrarot oder Nachtspeicher stehen nicht auf der Förderliste. Einen Überblick über alle Systeme liefert der Heizungsarten-Vergleich, was für Infrarotheizungen an Zuschüssen bleibt, zeigt der Beitrag zur Förderung von Infrarotheizungen.

Beide Lösungen schließen sich dabei nicht aus. In einem Haus mit Wärmepumpe als Hauptheizung kann ein einzelner selten genutzter Raum mit einem Infrarot-Paneel auskommen. Ein Gästezimmer zum Beispiel, oder ein Homeoffice, das nur stundenweise beheizt wird. So sparen Sie sich in diesem Raum die Anbindung an den Heizkreislauf.

So gehen Sie den Wechsel an

Schätzen Sie zuerst Dämmstandard und tatsächlichen Heizbedarf ein, bevor Sie sich für Direktstrom entscheiden. Lassen Sie anschließend die Altgeräte auf Schadstoffe prüfen und die Entsorgung durch einen zertifizierten Betrieb einplanen.

  • Leistung der neuen Paneele nach der Faustregel 50 bis 90 Watt pro Quadratmeter dimensionieren, plus rund 10 Watt je Außenwand; den genauen Wert liefert der Watt-Rechner
  • Raumweise tauschen und mit den am meisten genutzten Zimmern beginnen
  • Bei hohem Heizbedarf im ganzen Haus vorab ein Angebot für eine Wärmepumpe einholen und den KfW-Bonus in die Rechnung nehmen

So verteilen Sie die Kosten über mehrere Monate und merken früh, ob die Lösung zu Ihrem Verbrauch passt.

Die pragmatische Formel für Einzelräume

Eine Nachtspeicherheizung durch Infrarot zu ersetzen lohnt sich dort, wo der Bedarf niedrig bleibt. Das sind einzelne Räume, Mietwohnungen, die Übergangszeit oder ein knappes Budget. Wer ein ganzes, schlecht gedämmtes Haus beheizt, rechnet die geförderte Wärmepumpe durch, bevor die Entscheidung fällt. Und in jedem Fall gehört die fachgerechte Entsorgung der Altgeräte von Anfang an in den Plan, samt Termin, Nachweis und Preis.

Häufige Fragen

Muss ich meine Nachtspeicherheizung austauschen?
Nein. Eine funktionierende Nachtspeicherheizung dürfen Sie weiter betreiben, eine allgemeine gesetzliche Austauschpflicht besteht nicht. Wer wechselt, tut es wegen der Betriebskosten, des Gerätealters oder weil die Entsorgung ohnehin ansteht.
Kann ich den alten Nachtspeicherofen selbst abbauen und zum Wertstoffhof bringen?
Nein. Die Geräte können je nach Baujahr Asbest, künstliche Mineralfasern oder PCB enthalten; die eigenhändige Zerlegung ist laut co2online strikt verboten. Zugelassene Fachbetriebe bauen sie nach TRGS 519 aus, oft unzerlegt mit Kran oder Hilfsmitteln, und verschließen vorher die Lüftungsöffnungen.
Was passiert mit dem Nachtstromzähler nach dem Umbau?
Das klären Sie mit Ihrem Netzbetreiber. Läuft nur noch die neue Infrarotheizung, lohnt der getrennte Zähler mit Grundgebühr meist nicht mehr, und der Stromkreis wird auf den normalen Haushaltstarif umgeklemmt. Wer den Niedertarif behalten will, braucht Geräte, die nachts laden, und das tut ein Infrarot-Paneel nicht.
Bekomme ich für die Infrarotheizung einen Zuschuss, wenn ich den Nachtspeicher ausbaue?
Nein. Die KfW fördert im Programm 458 keine Stromdirektheizungen. Der Ausbau einer funktionstüchtigen Nachtstromspeicherheizung löst den Klimageschwindigkeitsbonus nur aus, wenn eine förderfähige Heizung folgt, etwa eine Luft-Luft-Wärmepumpe.
Wie lange dauert der Umstieg je Raum?
Der Ausbau durch den Fachbetrieb und die Montage des Paneels sind an einem Tag erledigt, wenn der Termin für die Entsorgung steht. Die Wartezeit auf diesen Termin und auf die Elektrofachkraft für den Stromkreis ist der eigentliche Zeitfaktor; planen Sie beides, bevor Sie das Paneel bestellen.
Quellen