Rund 80 bis 100 Grad warm wird die Oberfläche einer durchschnittlichen Infrarotheizung, und bei dieser Temperatur entsteht fast nur langwellige Wärmestrahlung. Krebserregend ist eine Infrarotheizung damit nach heutigem Kenntnisstand nicht. Die Strahlung, die als krebserregend eingestuft ist, liegt im UV-Bereich, und den erreicht ein Heizpaneel nicht. Ein seltenes Hautrisiko gibt es trotzdem: Es entsteht durch lang anhaltende Wärme aus nächster Nähe und lässt sich mit dem richtigen Abstand vermeiden.
UV, Infrarot und ionisierende Strahlung: drei verschiedene Dinge
Wer „Strahlung” hört, denkt an Röntgen, Radioaktivität oder Sonnenbrand. Physikalisch haben diese Begriffe mit einer Heizung wenig zu tun. Infrarotstrahlung ist der Teil des Spektrums, der sich an das sichtbare Licht anschließt und den Sie als Wärme spüren. Sie reicht von 780 Nanometern bis zu einem Millimeter Wellenlänge.
Ionisierende Strahlung kann Elektronen aus Atomen schlagen und chemische Verbindungen aufbrechen. Laut Bundesamt für Strahlenschutz transportiert sie je Photon deutlich mehr Energie als sichtbares Licht oder Wärmestrahlung. Die UV-Strahlung der Sonne liegt am anderen Ende des Lichts, und genau sie hat die Internationale Agentur für Krebsforschung in die höchste Gruppe „krebserregend für den Menschen” eingeordnet, wie das BfS zu den Langzeitwirkungen von UV ausführt. Die Behörde nennt UV die Hauptursache für Hautkrebs. In Deutschland erkrankt demnach jeder siebte Mann und jede neunte Frau bis zum Alter von 75 Jahren daran, mehr als 4.000 Menschen sterben jährlich an UV-bedingtem Hautkrebs.
| Strahlungsart | Wellenlänge | Quelle im Alltag | Krebsbezug |
|---|---|---|---|
| Ionisierende Strahlung | sehr kurz | Röntgen, radioaktiver Zerfall | Zellschäden möglich |
| UV-Strahlung | kürzer als sichtbares Licht | Sonne, Solarium | als krebserregend eingestuft |
| Kurzwelliges Infrarot (IR-A) | 780 bis 1.400 Nanometer | Sonne, glühende Heizstrahler | Haut und Augen bei starker Dauerbelastung |
| Langwelliges Infrarot (IR-C) | ab 3.000 Nanometern | Heizpaneel, Kachelofen, warme Wände | keine Einstufung, Risiko ist die Hitze |
Welche Bereiche es im Detail gibt, erklärt der Beitrag Infrarotstrahlung einfach erklärt.
Was ein Heizpaneel abstrahlt: warme Fläche, kein Glühen
Jeder warme Gegenstand gibt Infrarot ab, auch Ihr eigener Körper. Wie kurzwellig die Strahlung ausfällt, hängt an der Temperatur. Das Bundesamt für Strahlenschutz beschreibt es so, dass ein wärmerer Körper mehr Energie abgibt und die Wellenlänge dabei kürzer wird. Ein Paneel mit unter 100 Grad bleibt deshalb weit im langwelligen Bereich.
Zum Vergleich hilft ein Blick nach draußen. Rund die Hälfte der Sonnenstrahlung, die den Boden erreicht, ist laut BfS Infrarot. Weil die Sonne ungleich heißer ist als jedes Heizgerät, fällt ihre Strahlung nach derselben Regel kurzwelliger aus, und UV kommt hinzu. Draußen in der Sonne trifft Ihre Haut deshalb auf weit mehr kurzwellige Strahlung als vor einem Heizpaneel im Wohnzimmer.
Anders sieht es bei Geräten aus, die sichtbar glühen. Ein Infrarot-Heizstrahler mit Halogen- oder Quarzrohr arbeitet mit mehreren Hundert Grad und gibt einen spürbaren Anteil kurzwelliges IR-A ab. Wer über die Gesundheit von Infrarot liest, sollte deshalb prüfen, welches Gerät gemeint ist. Viele Warnungen beziehen sich auf Strahler, Industrieöfen oder Kabinen und nicht auf ein Wandpaneel.
Für die Strahlungsart spielt die Wattzahl keine eigene Rolle, entscheidend ist die Temperatur der Oberfläche. Mehr Leistung bringt einen Raum schneller auf Temperatur. Wie viel Leistung ein Zimmer tatsächlich braucht, ermitteln Sie mit dem Watt-Rechner für Infrarotheizungen.
Haut: die Hitzemelanose als einziger bekannter Krebsbezug
Langwelliges Infrarot wird schon in der Oberhaut aufgenommen, kurzwelliges IR-A erreicht die Unterhaut. Die Wirkung ist in beiden Fällen Wärme. Für Ihre Haut zählt deshalb weniger die Strahlung als die Dosis aus Temperatur und Zeit. Ein Paneel, an dem Sie vorbeigehen oder unter dem Sie lesen, liegt weit darunter.
Ein echtes, wenn auch seltenes Krankheitsbild nennt das Bundesamt für Strahlenschutz zur Wirkung von Infrarot ausdrücklich: die Hitzemelanose (Erythema ab igne). Sie zeigt sich als rötlich-braunes Netzmuster auf der Haut und wurde in Einzelfällen nach regelmäßigem, langem Gebrauch von Wärmequellen beobachtet. Das BfS hält sie eher für ein kosmetisches Problem, schreibt aber, dass sie die Haut möglicherweise anfälliger für Hautkrebs macht und darum vermieden werden sollte.
Als Beispiele nennt das Amt Wärmequellen, die regelmäßig und lange genutzt werden:
- Heizdecken und Heizkissen
- beheizte Autositze
- Laptops
- Infrarotlampen
Übertragen auf die Infrarotheizung heißt das: Ein Sitzplatz, an dem Bein oder Rücken jeden Abend über Stunden direkt an der Heizfläche lehnt, ist die einzige Situation mit ähnlichem Muster. Eine Handbreit Abstand und ein Paneel, das nicht als Rückenlehne dient, beseitigen sie. Daneben verweist das BfS auf mehrere Untersuchungen, die Infrarot eine Beteiligung am Kollagenabbau und an der beschleunigten Hautalterung zuschreiben.
Ein Paneel an der Decke gibt dieselbe Wärme ab wie an der Wand, liegt aber außer Reichweite von Händen und Rücken (Beispielbild).
Augen: ein Thema der glühenden Strahler
Für die Augen ist der kurzwellige Anteil entscheidend, weil der vordere Teil des Auges IR-A durchlässt und die Netzhaut erreicht wird. Laut BfS kann eine chronische Bestrahlung mit starken Infrarot-Quellen die Linse trüben, bekannt als Glasbläserstar. Der Name verweist auf Glasbläser, die beruflich über Jahre in glühendes Glas blicken.
Ein Heizpaneel gibt kaum IR-A ab und blendet nicht. Wer einen hell leuchtenden Heizstrahler an der Werkbank oder über dem Esstisch nutzt, schaut am besten nicht direkt in das Heizrohr.
Elektrosmog: Magnetfelder im Gebrauchsabstand
Wie jedes Elektrogerät erzeugt eine Infrarotheizung im Betrieb niederfrequente elektrische und magnetische Felder. Messwerte speziell für Heizpaneele veröffentlicht das BfS nicht. Für Haushaltsgeräte allgemein gilt laut BfS zu Haushaltsgeräten und Elektroinstallationen, dass die Felder mit jedem Zentimeter Abstand stark abnehmen. In rund 30 Zentimetern liegen die meisten Geräte deutlich unter dem empfohlenen Referenzwert von 100 Mikrotesla. Ist der Referenzwert eingehalten, sind laut BfS keine Gesundheitswirkungen zu erwarten. Wie stark der Abstand wirkt, zeigt die Tabelle der Behörde am Haartrockner: in 3 Zentimetern Abstand bis zu 2.000 Mikrotesla, in 30 Zentimetern höchstens 7.
Ehrlich eingeordnet gehört auch die Krebsfrage dazu. Niederfrequente Magnetfelder hat die Internationale Agentur für Krebsforschung 2002 als „möglicherweise krebserregend” eingestuft, wegen statistischer Auffälligkeiten bei Leukämie im Kindesalter ab etwa 0,3 bis 0,4 Mikrotesla im Tagesmittel. Laut der WHO-Risikobewertung beim BfS konnten Versuche an Tieren und Zellen ein krebsauslösendes Potenzial bis heute nicht bestätigen. Studien zu Krebs bei Erwachsenen zeigen dort keinen Einfluss der Magnetfelder. Ein Tagesmittel über 0,3 Mikrotesla betrifft zudem nur etwa 1 bis 4 Prozent der Kinder.
Wer vorsorglich handeln möchte, hat einfache Möglichkeiten:
- Bett und Kinderbett nicht unmittelbar neben einem Wandpaneel aufstellen.
- Zuleitung und Thermostat nicht hinter dem Kopfende verlegen.
- Für das Schlafzimmer ein Deckenpaneel oder eine Position an der gegenüberliegenden Wand wählen.
Wie Sie ein Paneel im Schlafzimmer platzieren und mit Nachtabsenkung betreiben, steht im eigenen Beitrag.
Raumluft und Schimmel: was sich im Zimmer ändert
Ein Paneel erwärmt Wände, Möbel und Personen und weniger die Luft. Dadurch entsteht weniger Luftbewegung als an einem Heizkörper, der warme Luft nach oben schickt. Eine Studie, die Allergikern einen messbaren Vorteil nachweist, haben wir nicht gefunden. Es bleibt eine Komfortfrage, die Menschen unterschiedlich empfinden.
Ein belegtes Gesundheitsthema im Raum ist Schimmel. Warme Wandoberflächen lassen weniger Feuchte kondensieren, das Lüften ersetzt das aber nicht. Wo eine Infrarotheizung bei Schimmel hilft und wo nicht, zeigt der Beitrag Infrarotheizung gegen Schimmel. Die allgemeinen Vor- und Nachteile einer Infrarotheizung mit Kosten und Komfort stehen in einem eigenen Überblick.
Alltag mit Paneel: wo Vorsicht sinnvoll ist
Die eigentliche Gefahr im Alltag ist die heiße Oberfläche. Bei 80 bis 100 Grad verbrennt man sich nicht in der ersten Sekunde, bei längerem Kontakt aber schon. Eine Herdplatte wird zum Vergleich laut co2online 400 bis 600 Grad heiß. Die Montage und Absicherung beschreibt der Beitrag zur Sicherheit von Infrarotheizungen.
| Situation | Was passieren kann | Was hilft |
|---|---|---|
| Kleinkind im Raum | Verbrennung an der Heizfläche | Paneel an der Decke, siehe Infrarotheizung im Kinderzimmer |
| Bett direkt am Wandpaneel | Dauerwärme an der Haut, Magnetfeld nah am Kopf | Abstand oder Deckenmontage |
| Sessel lehnt an der Heizfläche | Hitzemelanose bei täglichem Kontakt | eine Handbreit Abstand |
| Paneel im Bad | Spritzwasser und Feuchte | Schutzbereiche beachten, siehe Infrarotheizung im Bad |
| Handtuch oder Kleidung auf dem Paneel | Hitzestau, Brandgefahr | nur Modelle mit ausgewiesener Trockenfunktion belegen |
| Infrarotkabine statt Heizung | höhere Wärmebelastung des Körpers | Hinweise zur Wirkung einer Infrarotkabine |


