Diese Wirkung hat Infrarotstrahlung auf Gesundheit & Alltag

Wohltuende Infrarotwärme auf der Haut in einem hellen Wellnessraum

Rotlichtlampe, Wärmekabine, Infrarotheizung: Alle diese Anwendungen beruhen auf derselben Wirkung. Infrarotstrahlung wird von der Haut absorbiert und in Wärme umgewandelt, die Durchblutung steigt. Dieser Beitrag erklärt, was dabei im Körper passiert, welche Effekte belegt sind und wo die Grenzen und Risiken liegen.

Was Infrarotstrahlung physikalisch ist, lesen Sie im Grundlagenbeitrag Infrarotstrahlung einfach erklärt.

Welche Wirkung hat Infrarotstrahlung?

Infrarotstrahlen sind elektromagnetische Wellen, die beim Auftreffen auf den Körper absorbiert werden. Drei Effekte stehen dabei im Mittelpunkt:

  1. Wärme: Die Energie der Strahlung versetzt die Moleküle der Haut in Schwingung, es entsteht spürbare Wärme. Das ist derselbe Mechanismus wie bei der Infrarotstrahlung der Sonne.
  2. Durchblutung: Die Wärme erweitert die Blutgefäße. Das Gewebe wird stärker durchblutet und besser mit Sauerstoff versorgt.
  3. Wärmeverteilung im Körper: Das erwärmte Blut transportiert die Wärme auch in tiefere Körperregionen, die die Strahlung selbst nicht erreicht.

Viele Menschen empfinden diese Wärme als entspannend, etwa bei verspannter Muskulatur oder schlicht zum Stressabbau.

Eindringtiefe: So unterschiedlich wirken IR-A, IR-B und IR-C

Wie tief die Strahlung in die Haut eindringt, hängt von der Wellenlänge ab. Das Bundesamt für Strahlenschutz unterscheidet drei Bereiche:

  • IR-A (780 bis 1.400 Nanometer): dringt am tiefsten ein, bis zu etwa 5 Millimeter, und erreicht gut durchblutete Hautschichten.
  • IR-B (1.400 bis 3.000 Nanometer): wird überwiegend in der Oberhaut absorbiert.
  • IR-C (3.000 Nanometer bis 1 Millimeter): wirkt fast vollständig an der Hautoberfläche.

Die oft beworbene „Tiefenwärme” ist also begrenzt: Selbst IR-A kommt nur wenige Millimeter weit. Alles darunter erwärmt der Körper selbst, über Wärmeleitung und den Blutkreislauf. Welche Strahlerart welche Anteile liefert, zeigt der Vergleich der Strahlerarten für Infrarotkabinen.

Welche Wirkungen sind belegt und welche nicht?

Gut belegt sind die physikalischen Grundeffekte:

  • Erwärmung von Haut und oberflächlichem Gewebe
  • Gefäßerweiterung und gesteigerte Durchblutung
  • Subjektive Entspannung und Lockerung verspannter Muskulatur durch Wärme

Wärme ist deshalb ein klassisches Hausmittel bei Muskelverspannungen und wird auch in der Physiotherapie eingesetzt.

Nicht oder nur schwach belegt sind dagegen:

  • „Entgiftung” durch Schwitzen: Schweiß besteht fast vollständig aus Wasser und Elektrolyten. Die Ausleitung von Schadstoffen übernehmen Leber und Nieren.
  • Stärkung des Immunsystems: Ein verlässlicher Nachweis fehlt.
  • Heilung von Krankheiten: Wärme kann Beschwerden wie Verspannungen subjektiv lindern, ersetzt aber keine Behandlung. Bei anhaltenden Schmerzen, Entzündungen oder unklaren Beschwerden gehört die Ursache in ärztliche Abklärung.

Nutzung der wärmenden Wirkung im Alltag

Infrarot als Heizung: Infrarotheizungen erwärmen nicht primär die Luft, sondern Wände, Möbel und Personen direkt über Strahlung. Wie sich das anfühlt und rechnet, erklärt der Beitrag Wie funktioniert eine Infrarotheizung?

Infrarot als Sauna-Alternative: In der Infrarotkabine herrschen nur 35 bis 60 Grad Celsius statt der 80 bis 100 Grad einer klassischen Sauna. Weil die Strahlung direkt auf der Haut wirkt, geraten Sie trotzdem ins Schwitzen. Das macht die Kabine für Menschen interessant, die hohe Saunatemperaturen schlecht vertragen.

Infrarot zur lokalen Wärmeanwendung: Infrarotlampen bestrahlen gezielt einzelne Körperpartien, etwa Nacken oder Gesicht, klassischerweise begleitend bei Erkältungsbeschwerden oder Verspannungen.

Welche Nebenwirkungen hat Infrarotstrahlung?

Infrarot ist nicht ionisierend und kann das Erbgut nicht direkt schädigen. Die Risiken entstehen über die Hitze, vor allem bei zu intensiver oder zu langer Anwendung:

  • Überhitzung: Zu lange Sitzungen können den Wärmehaushalt überfordern, von Kreislaufproblemen bis zum Hitzschlag. Kopf und Nacken sind besonders empfindlich.
  • Haut: Bei anhaltender Hautrötung nach der Bestrahlung gilt: keine weitere Anwendung, im Zweifel ärztlich abklären. Chronisch hohe Wärmedosen können den Kollagenabbau und damit die Hautalterung beschleunigen und langfristig zu Pigmentveränderungen führen.
  • Augen: Kurzwellige IR-A-Strahlung erreicht die Netzhaut, chronische Exposition kann die Linse trüben. Schauen Sie nicht direkt in starke Strahler, schließen Sie die Augen oder tragen Sie eine Schutzbrille.
  • Verdeckte Warnsignale: Alkohol, Schmerzmittel und manche Medikamente dämpfen das Wärmeempfinden. In Kombination mit intensiver Bestrahlung steigt das Risiko unbemerkt zu hoher Wärmedosen.

Mit Abstands- und Zeitvorgaben der Hersteller bleiben Wellness-Anwendungen im unkritischen Bereich.

Einsatzgebiete von IR-Strahlung

Über Wellness und Heizen hinaus wird die Wärmewirkung vielseitig genutzt:

  • Thermografie: Wärmebildkameras machen Wärmeverluste an Gebäuden sichtbar und helfen der Feuerwehr beim Aufspüren von Glutnestern.
  • Sicherheit: Nachtsichtgeräte und Überwachungstechnik erkennen Wärmequellen in der Dunkelheit.
  • Industrie: Infrarotstrahler beschleunigen Trocknungs- und Härtungsprozesse, Laser schneiden und schweißen.

Einen vollständigen Überblick gibt der Beitrag zu den Einsatzgebieten von Infrarotstrahlung.

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Häufige Fragen

Wie wirkt Infrarotstrahlung auf den Körper?
Die Haut absorbiert die Strahlung und wandelt sie in Wärme um. Die Gefäße erweitern sich, die Durchblutung steigt, und die Wärme verteilt sich über das Blut im Körper. Genau auf diesem Mechanismus beruhen Anwendungen wie Rotlichtlampe, Infrarotkabine und Infrarotheizung.
Wie tief dringt Infrarotstrahlung in die Haut ein?
Das hängt von der Wellenlänge ab. Kurzwellige IR-A-Strahlung dringt nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz bis zu etwa 5 Millimeter ein. IR-B und IR-C werden überwiegend in der obersten Hautschicht absorbiert. Tiefere Körperregionen erreicht die Wärme indirekt über Wärmeleitung und Durchblutung.
Ist die Wirkung von Infrarot wissenschaftlich belegt?
Belegt sind die physikalischen Effekte: Erwärmung, Gefäßerweiterung und gesteigerte Durchblutung. Wärmeanwendungen können Muskelverspannungen lockern und werden als wohltuend empfunden. Für weitergehende Versprechen wie Entgiftung, Immunstärkung oder Heilung von Krankheiten fehlen dagegen belastbare Nachweise.
Welche Nebenwirkungen kann Infrarotstrahlung haben?
Zu intensive oder zu lange Bestrahlung kann zu Überhitzung, Kreislaufproblemen und Hautrötungen führen. Chronisch hohe Wärmedosen können die Hautalterung beschleunigen und das Auge schädigen, etwa durch Linsentrübung. Halten Sie deshalb Abstands- und Zeitempfehlungen ein.
Wer sollte auf intensive Infrarot-Anwendungen verzichten?
Menschen mit akuten Entzündungen, Fieber oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Schwangere sollten Wärmekabinen und intensive Bestrahlung vorab ärztlich abklären. Das gilt auch bei Medikamenten, die das Wärmeempfinden oder den Kreislauf beeinflussen.

Quellen