Die Küche ist ein Sonderfall unter den Wohnräumen: Herd, Backofen und Kühlschrank heizen mit, die Wandflächen sind durch Schränke belegt, und gebraucht wird die Wärme vor allem am Essplatz. Eine Infrarotheizung passt sich diesen Bedingungen besser an als jeder Heizkörper.
Dieser Ratgeber zeigt, welche Bauformen in die Küche passen, wie viel Leistung nötig ist und wo das Paneel hängen sollte.
Was die Küche von anderen Räumen unterscheidet
Drei Eigenheiten bestimmen die Heizplanung in der Küche. Kochen, Backen und Kühlgeräte geben Abwärme ab, weshalb der zusätzliche Heizbedarf geringer ausfällt als in gleich großen Wohnräumen. Zugleich belegen Hängeschränke, Fliesenspiegel und Regale die Wände, sodass die Heizung mit Restflächen über der Tür oder an der Decke auskommen muss. Und weil Kochdunst Fettpartikel und Wasserdampf transportiert, sollten die Oberflächen abwischbar sein und das Paneel nicht direkt neben Herd oder Spüle sitzen.
Warum eine Infrarotheizung in die Küche passt
Die Strahlung wirkt sofort auf die Personen am Frühstückstisch, ohne dass erst der ganze Raum aufgeheizt werden muss. Bei den Montageorten ist die Infrarotheizung flexibel, sie funktioniert an der Decke, über der Tür oder als schmales vertikales Format zwischen den Schränken, während ein Heizkörper freie Wandfläche samt Rohranschluss braucht. Weil keine Luft umgewälzt wird, verteilt die Strahlungswärme weder Küchenstaub noch Gerüche im Raum. Pflegeleicht ist sie ebenfalls, denn Glas- und Metallpaneele lassen sich feucht abwischen, falls sich Kochdunst absetzt.
Welche Infrarotheizungen für die Küche infrage kommen
In die Küche passen vor allem vier Bauformen. Die Deckenheizung ist die eleganteste Lösung für vollgestellte Küchen, weil das Paneel an der Decke verschwindet und gleichmäßig auf Arbeits- und Essbereich strahlt. Wo eine freie Fläche bleibt, ist das Wandpaneel die günstigste Wahl, und schmale vertikale Formate passen sogar in Nischen. Eine Tafelheizung lässt sich mit Kreide beschreiben und übernimmt nebenbei den Einkaufszettel, während eine Glasheizung mit glatter Oberfläche in Weiß oder Schwarz leicht zu reinigen ist und optisch nah an modernen Küchenfronten liegt.
Welche Leistung notwendig ist
Es gilt die Faustregel von 50 Watt pro Quadratmeter bei guter, 70 bei mittlerer und 90 bei schlechter Dämmung, plus rund 10 Watt je Außenwand. In der Küche dürfen Sie wegen der Geräteabwärme am unteren Rand der Spanne kalkulieren.
| Küchengröße | Empfohlene Leistung |
|---|---|
| 6 bis 8 m² (kleine Küche) | 350 bis 500 Watt |
| 9 bis 12 m² (Standardküche) | 500 bis 800 Watt |
| Offene Wohnküche ab 15 m² | 1.000 Watt und mehr, besser auf 2 Paneele verteilt |
Bei offenen Wohnküchen zählt die Gesamtfläche inklusive Essbereich. Den genauen Bedarf ermittelt der Watt-Rechner.
Was bei der Platzierung zu beachten ist
Das Paneel gehört nicht in den direkten Spritz- und Dunstbereich. Wer es in Spülennähe montiert, wählt ein Modell mit Schutzart IP44. Hängeschränke oder Regale vor dem Paneel schlucken die Wärme, deshalb soll die Strahlung Essplatz und Arbeitsbereich frei erreichen. Direkt über dem Dunstabzug hat die Heizung nichts zu suchen, weil sich dort fetthaltiger Kochdunst dauerhaft auf der Heizfläche absetzt. Beim Anschluss ist zu bedenken, dass Küchenstromkreise oft gut belegt sind, das Paneel sollte daher nicht am selben Stromkreis wie Backofen oder Geschirrspüler hängen, Details dazu im Beitrag zur Installation von Infrarotheizungen. Ein Thermostat verhindert schließlich, dass die Heizung gegen die Kochabwärme anheizt, und schaltet das Paneel automatisch ab, sobald Backofen und Herd den Raum mitheizen.
Kosten
In der Anschaffung kosten Wandpaneele für die Küche je nach Größe und Material etwa 120 bis 400 Euro, Glas- und Deckenmodelle etwas mehr.
Für den Betrieb eine Beispielrechnung. Ein 600-Watt-Paneel läuft in der Heizsaison täglich 4 Volllaststunden. 0,6 Kilowatt über 4 Stunden ergeben 2,4 Kilowattstunden pro Tag, über 180 Heiztage also 432 Kilowattstunden im Jahr, was beim BDEW-Durchschnittsstrompreis von 37 Cent pro Kilowattstunde (Stand April 2026) rund 160 Euro entspricht. Da die Küche durch Geräte mitgeheizt wird, taktet ein Thermostat das Paneel häufig weg, die realen Kosten sinken entsprechend. Eigene Szenarien rechnet der Stromkosten-Rechner durch.
Worauf beim Kauf achten?
- Eine abwischbare Oberfläche aus Glas oder pulverbeschichtetem Metall statt strukturierter Flächen, in denen sich Fett festsetzt
- Eine passende Leistung, nach Faustregel kalkuliert und um die Geräteabwärme bereinigt
- Prüfzeichen, CE als Pflicht, GS oder TÜV als zusätzliche Sicherheit
- Die Schutzart, in Spülennähe IP44, sonst genügt Standard
- Ein Thermostat, integriert oder als Steckdosen-Thermostat nachgerüstet
Ehrliche Einordnung: Strom bleibt teuer
Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass elektrische Direktheizungen im Dauerbetrieb höhere Heizkosten verursachen als wassergeführte Systeme. Für die Küche fällt das weniger ins Gewicht, weil der Zuheizbedarf durch die Geräteabwärme klein ist und die Heizfenster kurz sind. Als alleinige Heizung einer schlecht gedämmten Wohnküche ist die Infrarotheizung dagegen nicht die wirtschaftlichste Lösung.
Fazit
In der Küche spielt die Infrarotheizung ihre Flexibilität aus: Sie kommt mit wenig Wandfläche aus, liefert sofort Wärme an Essplatz und Arbeitsbereich und wirbelt dabei weder Staub noch Gerüche auf. Kalkulieren Sie die Leistung wegen der Geräteabwärme am unteren Rand der 50/70/90-Faustregel, halten Sie Abstand zu Herd und Spüle und setzen Sie auf abwischbare Oberflächen. Dann bleibt die Küchenheizung günstig im Betrieb und unsichtbar im Alltag.