Dörren ist eine der ältesten Methoden, Lebensmittel haltbar zu machen, und erlebt seit Jahren ein Comeback: Apfelringe, Tomatenchips, Trockenpilze und Kräuter aus eigener Ernte statt aus der Tüte. Am zuverlässigsten gelingt das im Dörrautomaten. Eine kleine Geräteklasse setzt dabei zusätzlich auf Infrarotstrahlung.
Dieser Ratgeber erklärt, wie das Dörren mit und ohne Infrarot funktioniert, welche Temperaturen für welches Dörrgut gelten und worauf es beim Kauf wirklich ankommt.
Wie funktioniert das Dörren?
Beim Dörren wird Lebensmitteln Wasser entzogen. Bakterien und Schimmelpilze brauchen Feuchtigkeit, um sich zu vermehren; sinkt der Wassergehalt deutlich, verderben Lebensmittel kaum noch. Als Faustregel gilt ein Restwassergehalt unter 15 Prozent für lange Haltbarkeit, so nennt es auch das VerbraucherFenster Hessen.
Der Prozess braucht zwei Dinge:
- Wärme, die das Wasser im Lebensmittel verdunsten lässt, und
- Luftaustausch, der die feuchte Luft abtransportiert.
Klassische Dörrautomaten arbeiten deshalb mit einem Heizelement und einem Ventilator, der warme Luft über die Etagen verteilt. Das Bundeszentrum für Ernährung empfiehlt fürs Dörren im Backofen 40 bis 50 Grad bei einen Spalt geöffneter Tür, ein Dörrautomat erledigt dasselbe energieeffizienter und ohne Beaufsichtigung.
Dörren mit Infrarot
Ein Infrarot-Dörrgerät ergänzt die warme Umluft um IR-Strahler. Die Infrarotstrahlung trifft direkt auf das Dörrgut und wird dort in Wärme umgewandelt, ähnlich wie bei der traditionellen Trocknung in der Sonne, nur kontrolliert und wetterunabhängig.
- Der Vorteil liegt in der Gleichmäßigkeit: Die Strahlung erwärmt die Oberfläche aller Stücke direkt, unabhängig davon, auf welcher Etage sie liegen. Das lästige Umsortieren der Einschübe entfällt weitgehend.
- Die Wärme wirkt direkt am Gut statt über große Mengen erhitzter Luft, das unterstützt eine schonende Trocknung bei moderaten Temperaturen.
Welche Temperatur für welches Dörrgut?
Die richtige Temperatur entscheidet über Qualität und Nährstofferhalt. Je niedriger gedörrt wird, desto mehr hitzeempfindliche Vitamine bleiben erhalten, desto länger dauert aber auch die Trocknung.
| Dörrgut | Temperatur | Dauer (Richtwert) |
|---|---|---|
| Kräuter | 35 bis 40 °C | 2 bis 5 Stunden |
| Pilze | 40 bis 50 °C | 4 bis 8 Stunden |
| Gemüse (Tomaten, Zucchini, Paprika) | 50 bis 60 °C | 6 bis 12 Stunden |
| Obst (Äpfel, Birnen, Pflaumen) | 50 bis 70 °C | 6 bis 14 Stunden |
| Rohkost-Qualität (alle Sorten) | unter ca. 42 °C | deutlich länger |
Schneiden Sie das Dörrgut in gleichmäßig dünne Scheiben (etwa 5 Millimeter), dann trocknet alles im selben Tempo. Fertig ist es, wenn es ledrig-biegsam (Obst) oder knackig-trocken (Gemüsechips, Kräuter) ist und beim Zusammendrücken keine Feuchtigkeit mehr austritt.
Welche Vorteile hat das Dörren gegenüber anderen Methoden?
Neben dem Dörren gibt es weitere Wege, Lebensmittel haltbar zu machen, jeder mit eigenen Stärken:
- Beim Einkochen wirken 80 bis 100 Grad über längere Zeit, dabei gehen mehr hitzeempfindliche Vitamine verloren als beim Dörren bei 40 bis 70 Grad.
- Einfrieren erhält Nährstoffe gut, kostet aber dauerhaft Strom und Gefrierplatz. Gedörrtes lagert dagegen stromlos im Schraubglas.
- Das Lufttrocknen ist die günstigste Methode, funktioniert in unserem Klima aber nur bedingt: Bei hoher Luftfeuchtigkeit schimmelt das Gut schneller, als es trocknet. Der Dörrautomat arbeitet kontrolliert und deutlich schneller.
Praktisch ist auch der Platzgewinn: Getrocknetes Obst und Gemüse schrumpft auf einen Bruchteil seines Volumens und ist als Snack direkt verzehrfertig.
Was gibt es beim Kauf eines Dörrgeräts zu beachten?
Präzises Thermostat und Temperaturbereich
Das wichtigste Kriterium: Die Temperatur sollte sich gradgenau oder in feinen Stufen von etwa 35 bis 70 Grad einstellen lassen. Nur so können Sie Kräuter schonend und Obst zügig trocknen. Geräte ohne echte Temperaturregelung trocknen entweder zu heiß oder zu langsam.
Timer und Abschaltautomatik
Dörrvorgänge dauern viele Stunden. Eine Zeitvorwahl bis mindestens 24 Stunden mit automatischer Abschaltung erspart das Wecker-Stellen und verhindert Übertrocknung über Nacht.
Fassungsvermögen und Stellfläche
Überlegen Sie, welche Mengen Sie realistisch verarbeiten: Für gelegentliche Apfelringe reichen 4 bis 5 Etagen, für die Ernteschwemme aus dem Garten sind stapelbare oder erweiterbare Etagen praktisch. Bedenken Sie: Das Gerät sollte im Betrieb frei stehen, damit die feuchte Luft entweichen kann, und es läuft stundenlang hörbar. Ein Stellplatz abseits von Wohn- und Schlafräumen ist sinnvoll, mehr zur Geräteplanung in der Küche lesen Sie im Ratgeber zur Infrarotheizung in der Küche.
Material und Reinigung
Einschübe aus Edelstahl sind langlebig, geschmacksneutral und spülmaschinenfest. Bei Kunststoff-Etagen achten Sie auf die Kennzeichnung „BPA-frei”. Herausnehmbare Bodenwannen erleichtern die Reinigung nach klebrigem Obst.
Stromverbrauch und Kosten
Dörrautomaten haben meist 350 bis 700 Watt Anschlussleistung. Da das Thermostat taktet, heizt das Gerät nur einen Teil der Laufzeit: Ein 500-Watt-Gerät, das bei einem 8-Stunden-Durchgang etwa die Hälfte der Zeit heizt, verbraucht rund 2 Kilowattstunden, beim BDEW-Strompreis von 37 Cent pro Kilowattstunde (Stand 04/2026) also etwa 74 Cent pro Durchgang. Wie Sie Stromkosten von Elektrogeräten generell überschlagen, zeigt der Beitrag zu Stromverbrauch und Betriebskosten.
Was eignet sich zum Dörren?
Die Klassiker sind Obst und Gemüse: Apfelringe, Birnenscheiben, Pflaumen, Aprikosen, Bananenchips, Tomaten, Paprika, Zucchini und Möhren. Daneben gelingen im Dörrautomaten:
- Kräuter (schonend bei 35 bis 40 Grad, anschließend dunkel und luftdicht lagern)
- Pilze für Suppen und Saucen
- Beeren wie Cranberrys oder Brombeeren
- Nüsse und Kerne zum Aktivieren bzw. Nachtrocknen
- Fruchtleder aus püriertem Obst sowie Cracker und Müsliriegel
- Beef Jerky aus magerem Rindfleisch (hier auf Hygiene und ausreichende Trocknung achten)
Ein zweites Infrarot-Küchengerät arbeitet übrigens nach dem umgekehrten Prinzip: Während das Dörrgerät Wasser sanft entzieht, bringt das Infrarot-Kochfeld Speisen mit Strahlungswärme schnell auf Temperatur.
Infrarot-Dörrgerät kaufen: Ein ehrlicher Marktüberblick
Zur Wahrheit gehört: Echte Infrarot-Dörrgeräte sind eine Nische. Der Markt wird von klassischen Umluft-Dörrautomaten dominiert, etwa von Rommelsbacher, Severin, Klarstein, WMF oder BioChef. Geräte mit zusätzlicher IR-Trocknung tauchen nur vereinzelt auf, meist im höheren Preissegment ab etwa 150 bis 400 Euro, während gute Umluft-Geräte schon für 50 bis 150 Euro zu haben sind.
Unsere Empfehlung deshalb:
- Für die meisten Haushalte ist ein Umluft-Dörrautomat mit präzisem Thermostat, Timer und Edelstahl-Etagen die wirtschaftlichere Wahl.
- Ein IR-Gerät lohnt sich, wenn Sie regelmäßig große Mengen verarbeiten und Wert auf maximal gleichmäßige Trocknung ohne Etagentausch legen, und ein passendes Angebot finden.
Prüfen Sie bei beiden Varianten dieselben Kriterien: Temperaturbereich, Timer, Material und Lautstärke. Dann steht den eigenen Apfelringen nichts mehr im Weg.